Geburtshilfe Frauenheilkd 2003; 63(1): 56-62
DOI: 10.1055/s-2003-37100
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Doppler-Sonographiescreening der A. uterina in der gynäkologischen Praxis

Doppler Screening of Uterine Artery in Routine Antenatal CareH. Hille 1 , D. Geisen-Neuroth 2 , C. Felixmüller 1 , D. Masson 1 , U. Mattner 1 , J. Pferdmenges 3 , U. Schuman 4 , M. Voß 5 , M. Carstensen 6
  • 1Gynäkologische Praxis Hamburg
  • 2Gynäkologische Praxis Cuxhaven
  • 3Gynäkologische Praxis Porta Westfalica
  • 4Gynäkologische Praxis Buxtehude
  • 5Gynäkologische Praxis Minden
  • 6Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Albertinen-Krankenhaus Hamburg
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 2. April 2002 Eingang revidiertes Manuskript: 5. Dezember 2002

Akzeptiert: 6. Dezember 2002

Publication Date:
06 February 2003 (online)

Zoom Image

Zusammenfassung

Fragestellung

Zu prüfen war die Frage, ob ein in die übliche Schwangerschaftsvorsorge integriertes Doppler-Sonographiescreening der A. uterina Hochrisikoschwangere für Erkrankungen aus dem Formenkreis der Präeklampsie und Wachstumsretardierung zuverlässig zu detektieren vermag.

Material und Methode

In 8 fachärztlichen Praxen wurden über einen Zeitraum von 18 Monaten alle einwilligenden Schwangeren konsekutiv unausgewählt in der Form eines Zweistufenscreenings mittels Farbdopplersonographie der Arteria uterina von abdominal untersucht.

Das erste Screening erfolgte ergänzend zum Zeitpunkt des von den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Ultraschallscreenings zwischen der 19. und 22. SSW. Die nach Definition (PI = > 1,3 und/oder frühdiastolische Inzisur) auffälligen Schwangeren wurden zu einer zweiten dopplersonographischen Untersuchung zwischen der 26. und 28. SSW aufgefordert. Das in die endgültige Auswertung eingegangene Gesamtkollektiv betrug 894 Schwangere, dieses wurde unterteilt in ein Normalkollektiv (Low-Risk) von 680 - konsekutiv unausgewählt untersucht - und ein Risikokollektiv (Schwangere mit Zuweisungsindikation) von 214 Fällen. Die Doppler-Sonographie der A. uterina wurde auf ihre Vorhersageeigenschaft hinsichtlich Präeklampsie und Wachstumsretardierung unter den hiesigen dezentralen Versorgungsbedingungen untersucht. Die Resultate wurden mit den publizierten Daten aus den (angelsächsischen) Zentren verglichen.

Ergebnisse

Wird jedes pathologische Merkmal der Doppler-Hüllkurve und des Widerstandsindexes ausgewertet, erreicht die Methode eine Sensitivität für die Präeklampsie von 74 %, für die Wachstumsretardierung von 51 % bei einer Spezifität jeweils von 86 %. Der positive Vorhersagewert bewegt sich bei 18, respektive 16 % bei einem negativen Vorhersagewert von 99 und 97 %.

Werden allein die Fälle mit ausgeprägter Pathologie des Spektrums („mean PI“ = > 1,3, tiefe Inzisur) berücksichtigt, kann die Spezifität auf 96 % gesteigert werden bei einer Sensitivität von 49 % (Präeklampsie) und 29 % (IUGR). Der PPV erhöht sich aber auf 35 % (Präeklampsie) und 27 % (IUGR).

Werden bei ausgeprägter Pathologie des Doppler-Spektrums die Schwangerschaftskomplikationen zusammengefasst, erreicht der PPV über 60 % mit einem dann über 37fach erhöhten Risiko für eine vorzeitige Entbindung vor der 36. SSW. Mittels eines Scores von 0 - 3 zur qualitativen Auswertung des Doppler-Spektrums beider Seiten lässt sich das individuelle Risiko näher beschreiben. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen eine weitgehende Übereinstimmung mit den Studien, die in spezialisierten Zentren erhoben wurden.

Schlussfolgerungen

Auch unter dezentralen Versorgungsbedingungen in gynäkologischen Einzelpraxen kann ein Doppler-Sonographiescreening der A. uterina zufriedenstellend Risikoschwangere für schwere Verlaufsformen der Präeklampsie und Wachstumsretardierung detektieren und diese damit einer intensivierten Betreuung zuführen. Da sich auch therapeutische Konsequenzen abzeichnen, wäre ein breiterer Einsatz dieser Methode in der Schwangerschaftsvorsorge wünschenswert.

Abstract

Purpose

To evaluate uterine artery Doppler screening in decentralized routine antenatal care for selection of pregnancies with high risk for severe pre-eclampsia and intrauterine growth restriction.

Material and Methods

In a period of 18 months all single pregnant women with confirmed consent to the procedure were examined by a two-stage-screening (19. - 22. and 26. - 28. weeks of gestation) by means of abdominal CFM Doppler ultrasound of the uterine arteries in 8 different specialised practices. 680 (low-risk) pregnant women were collected consecutively without selection, 214 women had been referred from different reasons for level 2 ultrasound and were segregated as a high-risk-group. An early diastolic notch and/or a PI = > 1.3 were deemed to be pathologic, leading to the second stage of examination. Screening characteristics in the prediction of severe pre-eclampsia, intrauterine growth restriction and the necessity for early delivery before 36th week of gestation were calculated and compared with the results published by clinical centres.

Results

Analysing any waveform of uterine artery Doppler of either side with pathologic characteristics the sensitivity for pre-eclampsia reaches 74 % and 51 % for IUGR, the specificity was 86 % each. Analysing only cases with severe pathologic characteristics (mean PI > = 1.3 and/or deep notches bilaterally) the specificity increases to 96 % by decreasing sensitivity to 49 %, respectively 29 %. But the PPV for any specific complication during pregnancy (pre-eclampsia, IUGR, preterm delivery) increases to 63 % with a more than 37-fold risk for induced preterm delivery before 36th week of gestation. Using a score ranging from 0 - 3 analysing the Doppler waveforms of both sides, the individual risk for specific complications could be predicted sufficiently. The results of this trial under decentralized conditions of care compare approximately with the ones of referral centres.

Conclusions

Even under decentralized conditions of antenatal care uterine artery Doppler screening is able to detect pregnancies with high risk for severe pre-eclampsia and/or IUGR in a content manner. Under aspects of possible therapeutic consequences, this method of examination should be accepted in routine antenatal care.