Zentralbl Gynakol 2002; 124(10): 465-468
DOI: 10.1055/s-2002-38913
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kontrazeption bei chronisch kranken Jugendlichen III

Contraception in Chronically ill AdolescentsC. Drexel-Fink1 , F. Peters1
  • 1Frauenklinik, St. Hildegardis-Krankenhaus
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Publication Date:
24 April 2003 (online)

Zusammenfassung

Die Kontrazeption bei chronisch kranken Jugendlichen mit Stoffwechselerkrankungen und hämatologischen Erkrankungen muss sich im Hinblick auf unerwünschte Wirkungen am krankheitsspezifischen Risikoprofil orientieren. Für junge Diabetikerinnen mit guter Stoffwechsellage und ohne bereits manifeste diabetische Organschäden stellen orale Kontrazeptiva eine vertretbare Verhütungsmethode dar. Diese Empfehlung kann auch für junge Frauen gegeben werden, die an der Aminosäurestoffwechselstörung Phenylketonurie leiden. Besteht bei einer Adoleszenten hingegen eine Galaktosämie, so sollte vor Gabe oraler Kontrazeptiva durch Messung des FSH-Spiegels überprüft werden, ob die Betroffene überhaupt fertil ist oder sich eine Kontrazeption aufgrund einer hypergonadotropen Ovarialinsuffizienz erübrigt.

Junge Patientinnen, die an einer Sichelzellanämie leiden sind von einer stark erhöhten, vital bedrohlichen Thromboseneigung betroffen. Östrogenhaltige orale Kontrazeptiva sind für diese Patientinnen kontraindiziert. Reine Gestagenpräparate können hingegen, mit sogar positivem Effekt auf krankheitsspezifische Beschwerden, eingesetzt werden. Da chronische Menorrhagien zu den typischen Symptomen der thrombozytenassoziierten Gerinnungsstörung des Von Willebrand-Jü rgens-Syndroms gehören, eignen sich orale Kontrazeptiva für dieses Patientinnenkollektiv auch zur Reduktion der Blutungsintensität. In jedem Fall muss durch Prüfung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses eine geeignete und auch die Compliance der Patientin berücksichtigende Verhütungsmethode zum Einsatz kommen.

Literatur

Prof. Dr. med. Friedolf Peters

Frauenklinik

St. Hildegardis-Krankenhaus

Akademisches Lehrkrankenhaus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Hildegardstraße 2

55131 Mainz