Geburtshilfe Frauenheilkd 2002; 62(10): 977-981
DOI: 10.1055/s-2002-35103
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Gebären und geboren werden im Wasser - Vergleichende Studie nach 969 Wassergeburten

Water Birth - A Review of 969 Deliveries and a Comparison With Other Delivery PositionsA. Thöni1 , K. Mussner2
  • 1 Gyn.-geburtsh. Abteilung, Kreiskrankenhaus Sterzing/Südtirol
  • 2 Pädiatrische Abteilung, Kreiskrankenhaus Sterzing/Südtirol
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 31. Mai 2002 Eingang revidiertes Manuskript: 30. Juli 2002

Akzeptiert: 5. August 2002

Publication Date:
28 October 2002 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Das Ziel dieser Studie war, die an unserer Abteilung im Zeitraum von fünf Jahren erfolgten 969 Wassergeburten zu analysieren und die Geburt im Wasser mit anderen Gebärpositionen zu vergleichen.

Methode

Anhand von 969 Wassergeburten, 515 Geburten auf dem traditionellen Gebärbett und 172 Geburten auf dem Hocker, wurden die Geburtsdauer, die Dammschnitt- und Dammrissrate, der Schmerzmittelverbrauch, der arterielle Nabelschnur-pH-Wert, der Base-Excess, das Gewicht und der Hb-Wert im Wochenbett untersucht.

Ergebnisse

Bei der Geburtsdauer ließ sich insbesondere bei den Erstgebärenden, die im Wasser geboren haben, eine eindeutige Verkürzung feststellen. Die Verkürzung betraf ausschließlich die Eröffnungsphase (381 min in der Wanne vs. 473 auf dem Gebärbett), während die Austreibungsphase bei allen Positionen gleich lange dauert (um 35 min). Bei den Gebärenden im Wasser waren signifikant weniger Dammschnitte (0,52 %) im Vergleich zu den Gebärenden auf dem Bett (17,2 %) oder auf dem Hocker (7,6 %) erforderlich, ohne dass dies zulasten von vermehrten Dammrissen ging (DR I° jeweils um 23 %). Aufgrund der schmerzlindernden Wirkung des Wassers war in der Wanne die Verabreichung eines Schmerzmittels nicht notwendig. Der arterielle Nabelschnur-pH-Wert, der Base-Excess, das Gewicht und der am 1. postpartalen Tag ermittelte Hb-Wert ergaben keinen signifikanten Unterschied.

Schlussfolgerung

An unserer Abteilung ergibt die Geburt im Wasser eindeutige Vorteile: eine bedeutend verkürzte Eröffnungsphase, signifikant weniger Dammschnitte und keinen zusätzlichen Bedarf an Analgetika. Die Sicherheit des Kindes ist auch bei der Geburt im Wasser gewährleistet.

Abstract

Purpose

The object of our study was to analyze 969 consecutive water births and compare them with other delivery positions.

Methods

We compared 969 water births, 515 deliveries in the traditional bed, and 172 deliveries on the delivery stool. Duration of labor, rates of episiotomies and lacerations, arterial cord blood pH, analgesic requirements and postpartum maternal hemoglobin levels were analyzed.

Results

The first stage of labor was significantly shorter in primiparas with water birth compared with the other delivery positions (381 vs. 473 min). There were no differences in the duration of the second stage. The low episiotomy rate with the water births (0,52 % compared with 17,2 % and 7,6 % for the other two positions) was not associated with an increased rate of perineal lacerations (23 % in all three groups). Of the primiparas, 58 % had no lacerations with water birth compared with 36 % and 48 % for the other positions, respectively. No woman with water birth required analgesics. There were no differences among the groups in arterial cord blood pH, in base-excess or postpartal maternal hemoglobin level.

Conclusions

Our results suggest that water birth is associated with a significantly shorter first stage of labor, a lower episiotomy rate, fewer perineal lacerations, and reduced analgesic requirements compared with other delivery positions. Water birth appears to be safe for the mother and the fetus-neonate if candidates are selected appropriately.

Literatur

Dr. A. Thöni

Kreiskrankenhaus Sterzing, Abt. f. Gynäkologie und Geburtshilfe

St. Margarethenstraße 24

39049 Sterzing

Italien

Email: gynaekologie.sterzing@sb-brixen.it