Z Gastroenterol 2002; 40(7): 521-524
DOI: 10.1055/s-2002-32800
Kasuistiken
© Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Gastrokolische Fistel als seltene Ursache von Kachexie und Polyneuropathie

Gastrocolic Fistula - a Rare Cause of Cachexia and PolyneuropathyA. Schneider1 , G. Holtmann1 , M. Rünzi1 , K. Drochner2 , K. J. Oldhafer3 , G. Gerken1
  • 1Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Zentrum für Innere Medizin
  • 2Zentralinstitut für Röntgendiagnostik
  • 3Klinik für Allgemein- und Transplantationschirugie
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Publication History

Manuskript-Eingang: 13. März 2001

Annahme nach Revision: 28. Februar 2002

Publication Date:
15 July 2002 (online)

Zusammenfassung

Die Fistelbildung zwischen Magen und Kolon ist selten. Die häufigsten Ursachen dieser Fistelung stellen das postoperativ nach Billroth-II-Magenresektion auftretende Anastomosenulkus und maligne Prozesse des Gastrointestinums dar. Ein 49-jähriger Patient stellte sich in einem ausgeprägt kachektischen Allgemeinzustand mit seit zwei Jahren anhaltenden Diarrhöen vor. Er schilderte einen Gewichtsverlust von 32 kg Körpergewicht in diesem Zeitraum und beklagte eine ausgeprägte körperliche Schwäche, die ihn zuletzt gehunfähig machte. Weiterhin litt der Mann unter Übelkeit und Erbrechen und klagte über diffuse brennende Schmerzen der Beine und des Abdomens. An Vorerkrankungen berichtete der Patient von einem rezidivierenden Ulkusleiden, das 1987 eine Billroth-II-Magenresektion erforderlich machte. Über einen Kolonkonstrasteinlauf wurde schließlich eine gastrokolische Fistel nachgewiesen. Die Beschwerden des Patienten erklärten sich damit im Rahmen einer bakteriellen Fehlbesiedelung mit nachfolgender Zottenatrophie und Malabsorption und mit Entstehung einer sensomotorischen Polyneuropathie nach prolongiert verlaufender gastrokolischer Fistelbildung. Die Fistel wurde erfolgreich chirurgisch reseziert. Postoperativ kam es zu einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zu einer stetigen Gewichtszunahme. Die gastrokolische Fistel sollte bei entsprechender Klinik, voroperiertem Magen oder Einnahme von nichtsteoridalen Antiphlogistika differenzialdiagnostisch bedacht werden. Die Röntgendiagnostik (Kolonkonstrasteinlauf) ist beim Nachweis einer derartigen Fistel den endoskopischen Verfahren überlegen.

Abstract

Gastrocolic fistula is a rare clinical disorder which in the past most often occurred after gastric surgery or carcinoma of the gastrointestinal tract. However, during the last decade an increasing number of cases after benign gastric ulcers have been described. Most common symptoms have been weight loss, abdominal pain, diarrhea and copremesis.

A 49-year-old cachectic patient presented with a 2-year history of abdominal discomfort and diarrhea. He reported a weight loss of 32 kg during this period and was finally unable to move because of exhaustion. Furthermore, he suffered of burning paresthesia of the legs and the abdomen. His medical history included a Billroth II operation because of recurrent ulcer disease in 1987. Barium enema revealed a gastrocolic fistula which caused small bowel bacterial overgrowth with villous atrophy and malabsorption and development of polyneuropathy. The fistula was surgically resected, and postoperatively, the patient improved and regained his weight.

Gastrocolic fistula is a rare cause of diarrhea and should be considered in clinical practice. Barium enema is superior to endoscopy in detecting gastrocolic fistula.

Literatur

Prof. Dr. med. Gerald Holtmann

Zentrum für Innere Medizin

, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie

Universitätsklinikum Essen

Hufelandstraße 55, 45122 Essen

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