Rehabilitation (Stuttg) 2002; 41(2/3): 183-188
DOI: 10.1055/s-2002-28442
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ambulante und stationäre neurologische
Rehabilitation - ein katamnestischer Vergleich

Outpatient and Inpatient Neurological Rehabilitation - A Follow-up ComparisonP.  W.  Schönle
  • 1Kliniken Schmieder, Allensbach, und Universität Konstanz
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Publication Date:
08 May 2002 (online)

Zusammenfassung

Seit Mitte der 90er Jahre wurde in Deutschland von den Kostenträgern der Ausbau der ambulanten Rehabilitation beginnend mit einigen Modellvorhaben initiiert. Ambulante Rehabilitation wird dabei als komplexe, ganztägige und intensive Maßnahme definiert, die auf multidisziplinärer, fachärztlich geleiteter Basis durchgeführt wird. In der vorliegenden katamnestischen Untersuchung, die Teil einer umfangreicheren Studie an 1767 Patienten ist, werden die Ergebnisse der Rehabilitation sechs Monate nach Beendigung der Maßnahme vorgestellt. Wesentliche Ergebnisse sind die Nachhaltigkeit der Reha-Effekte und ihre Äquivalenz sowohl für die stationäre als auch die ambulante neurologische Rehabilitation. Daneben finden sich differenzielle Aspekte der Effekte: im stationären Bereich mehr in grundlegenden körperbezogenen funktionellen Störungen und im ambulanten Bereich mehr in kognitiven Domänen. Die Unterschiede sind einerseits Ausdruck des Rehabilitationsprozesses und seines positiven Verlaufes, weisen andererseits aber auch auf unterschiedliche Aufgabenstellungen in der derzeitigen Ausprägung der beiden Rehabilitationsformen hin.

Abstract

Since the mid-90s outpatient rehabilitation has been developed by public health insurance companies and pension funds. Outpatient rehabilitation is defined as comprehensive multidisciplinary and medically supervised service which in neurological rehabilitation mostly follows inpatient rehabilitation. In the present paper partial results of a larger study (by Schoenle and Leyhe, 2000) are reported with respect to the follow-up of the effects of outpatient versus inpatient rehabilitation 6 month after termination of the treatment. Major results are the endurance of the effects over the observed time interval and the equivalent effectiveness of the two forms of rehabilitation. Distinct effects were observed for the two patient groups (more progress in the body related functional disturbances for inpatients versus cognitively related progress for the outpatients). The results reflect intrinsic features of neurological rehabilitation and the current organizational status of neurological rehabilitation in Germany.

Literatur

  • 1 Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation .Rahmenempfehlungen zur ambulanten neurologischen Rehabilitation vom 20. Oktober 2000. Frankfurt/Main: BAR 2001
  • 2 Schönle P W. Konzept für das NRZ der Kliniken Schmieder Rotebühlstraße, Stuttgart. Unveröffentl. Manuskript. Allensbach: Kliniken Schmieder 1993
  • 3 Schönle P W. Tagesklinik für ambulante Neurologische Rehabilitation der Kliniken Schmieder (NRZ) Stuttgart - Konzept - in Kooperation mit Dr. Schulte (LVA Württemberg) und Dr. Philipp (BfA). Unveröffentl. Manuskript. Allensbach: Kliniken Schmieder 1994
  • 4 Schönle P W. Indikationsbezogene Überlegungen zur Flexibilisierung von Rehabilitationsleistungen in der Neurologie aus der Sicht von ärztlichen Rehabilitationsexperten. In: Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (Hrsg) Rehabilitation 1994, Vorträge zum Rehabilitationsforum der BfA und der LVA Sachsen vom 1. bis 2. September 1994 in Dresden. Berlin: BfA 1995: 47-61
  • 5 Schönle P W. Ambulante/teilstationäre neurologische Rehabilitation am NRZ Rotebühlstraße (Neurologischen Rehabilitationszentrum der Kliniken Schmieder, Stuttgart) - erste Erfahrungen. Vortrag anlässlich des einjährigen Bestehens. Unveröffentl. Manuskript. Stuttgart: NRZ 1996
  • 6 Schönle P W. Ambulante Neurologische Rehabilitation.  Neurologie und Rehabilitation. 1997;  (2) 87-95
  • 7 Schönle P W, Leyhe T. Ambulante Neurologische Rehabilitation. Konzept, Praxis, Outcome. Bad Honnef: Hippocampus 2000

1 „Ambulant” wird hier kontrastierend zu „stationär” verstanden und schließt dem Grundsatzpapier der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation [1] folgend den Begriff „teilstationär” mit ein. Rehabilitation impliziert Inter- und Multidisziplinarität unter integrativer sozial- und rehabilitationsmedizinischer Leitung und setzt einen Gesamtrehabilitationsplan für den einzelnen Patienten voraus. Isoliert erbrachte Einzelmaßnahmen wie Physiotherapie oder Ergotherapie etc. werden im Rahmen der KV-Versorgung erbracht.

2 Für statistische Auswertedetails wird aus „Raumgründen” auf Schönle und Leyhe [7] verwiesen.

3 Die einzelnen Funktionen wurden entsprechend der klinischen Dokumentation dahingehend erfasst, ob sie gestört waren oder nicht (z. B. liegt eine Aphasie vor oder nicht). Eine weitergehende Differenzierung konnte nicht vorgenommen werden, da nicht bei allen Patienten alle Dimensionen des Reha-Assessments berücksichtigt bzw. bei allen Patienten verbindliche psycho- und physiometrische Untersuchungsverfahren durchgeführt wurden.

4 Es erfolgte eine adjustierende Berücksichtigung der Faktoren Geschlecht, Alter, Ausbildung, Berufsgruppe, Erkrankung, Krankheitsdauer und funktionelle Defizite (logistische Modellanalyse).

5 Zu berücksichtigen ist allerdings, dass ein Teil der ambulanten Patienten vorher im vollstationären Bereich rehabilitiert wurde, während sich bei den vollstationären Patienten keine ambulante Rehabilitation anschloss. Bessere Effekte erscheinen daher durch eine intensivere Rehabilitation bedingt zu sein.

6 Aphatische Sprachstörungen (Aphasien) sind sog. sprachsystematische Störungen (Aphasien), d. h. es liegen Störungen im Lexikon, in der Grammatik und im phonologischen System vor.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Paul W. Schönle

Schubertstraße 10

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