Klin Padiatr 2002; 214(1): 41-44
DOI: 10.1055/s-2002-19864
Kasuistik

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kavernom der Medulla oblongata unter dem Bild einer „Anorexia nervosa”

Cavernoma of the medulla oblongata mimicking „Anorexia nervosa” - a case reportD.  Großmann1 , C.  Burtzlaff1 , B.  Griefahn1 , R.-D.  Stenger1 , H.  Wiersbitzky1 , W.  Wagner2 , H.  Lauffer1
  • 1 Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
  • 2 Klinik für Neurochirurgie
    Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
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Publication Date:
19 September 2002 (online)

Zusammenfassung

Wir berichten über ein 11 Jahre altes Mädchen, welches wegen seit 4 Wochen bestehendem rezidivierendem Erbrechen, stark reduzierter Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Gewichtsverlust sowie Schwindel zur stationären Aufnahme kam. In einem auswärtigen Krankenhaus war diese Symptomatik als habituelles Erbrechen bzw. als beginnende Essstörung diagnostiziert wurden. Die körperliche Untersuchung zeigte ein sehr schlankes Kind in reduziertem AZ, ergab aber bis auf einen diffusen Druckschmerz im Abdomen keinen pathologischen Befund. Auch der neurologische Status war unauffällig. Eine umfangreiche laborchemische, röntgenologische, endoskopische und sonografische Diagnostik erbrachte ebenfalls keine Erklärung der Symptomatik. EEG und kraniales CT waren unauffällig, so dass wir, auch aufgrund psychischer Auffälligkeiten des Mädchens, zunächst ebenfalls eine beginnende Essstörung vermuteten. Das zum sicheren Ausschluss einer infratentoriellen Raumforderung durchgeführte kraniale MRT zeigte eine gut abgrenzbare raumfordernde Struktur in der dorsalen Medulla oblongata und im oberen Zervikalmark. Korrespondierend hierzu fand sich im Medianus-SEP eine Verlängerung der zentralen Leitzeit, während die FAEP normal waren. Der Tumor ließ sich operativ in toto entfernen. Der schon intraoperativ geäußerte Verdacht auf ein Kavernom bestätigte sich auch histologisch. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos, der Nahrungsaufbau wurde gut toleriert, neurologische Ausfälle traten nicht auf.

Abstract

An 11-year-old girl presented with recurrent vomiting, reduced food and fluid intake, weight loss and dizziness. In an external hospital she was diagnosed as having habitual vomiting and a beginning eating disorder. The physical examination revealed a very thin, malnourished child with abdominal pain on palpation but without neurologic deficits. Laboratory findings, X-rays, endoscopy and ultrasound revealed no pathological results either. Since the EEG and the cranial computed tomography (CT) were normal, we also suspected the beginning of an eating disorder especially due to some psychical peculiarities. The MRI which was done for ultimate exclusion of an infratentorial tumor showed a well defined displacing structure in the dorsal medulla oblongata and in the upper cervical spinal cord. A corresponding prolongation of the central conduction time was found in the median nerve SSEP whereas the BAEPs were normal. The tumor was excised in toto and the histological examination confirmed the suspected diagnosis of cavernous hemangioma (cavernoma). The post operative phase was without any complications and the intiated nutrition was well tolerated. Neurological deficits were not observed.

Literatur

Prof. Dr. H. Lauffer

Ernst-Moritz-Arndt-Universität

Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin

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