Geburtshilfe Frauenheilkd 2001; 61(11): 872-879
DOI: 10.1055/s-2001-19171
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

3000 Wassergeburten im Vergleich mit 4000 Landgeburten: Prospektive Frauenfelder Geburtenstudie

A Prospective Comparison of 3000 Water Births and 4000 Conventional DeliveriesV. Geissbühler, J. Eberhard, Ch. Chiffelle, S. Stein
  • Frauenklinik, Kantonsspital Frauenfeld, Schweiz
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Publication History

Publication Date:
19 December 2001 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Als erstes schweizerisches Lehrkrankenhaus haben wir 1991 Wassergeburten eingeführt. Es soll die Frage beantwortet werden, ob Wassergeburten genauso sicher und verantwortbar sind wie Landgeburten.

Material und Methodik

Seit November 1991 werden alle Geburten in einer prospektiven Beobachtungsstudie erfasst. Bis zum 31. Oktober 1999 konnten 10 754 Geburten ausgewertet werden. In dieser Arbeit verglichen werden kindliche und mütterliche Geburtsparameter der am häufigsten gewählten spontanen Gebärmethoden (Einlinge in Kopflage) in einem Kollektiv von 8535 Geburten. Von letzteren sind 3205 (37,6 %) Wassergeburten, 1236 (14,5 %) Maiahockergeburten und 3487 (40,9 %) Bettgeburten. Die verbleibenden 607 (7,1 %) Geburten verteilen sich auf seltenere Gebärmethoden. Wasser-, Maiahocker- und Bettgeburten unterscheiden sich nicht bezüglich Parität und Alter. Neonatale und mütterliche Infektionen treten nach Wassergeburten nicht häufiger auf.

Ergebnisse

Die Episiotomierate bei Wassergeburten beträgt 8,9 %, bei Maiahockergeburten 24,9 % und bei Bettgeburten 30,7 %. Die Unterschiede sind statistisch signifikant. Die höchste Rate an schweren Dammrissen III und IV (4,3 %) findet man bei Bettgeburten, der Unterschied zu den Wasser- und Maiahockergeburten ist signifikant.

Der geringste mütterliche Blutverlust findet sich nach Wassergeburten. Frauen, welche im Wasser entbunden werden, brauchen am wenigsten klassische Schmerzmittel und haben rückblickend im Wochenbett beurteilt das schönste Geburtserlebnis.

Der durchschnittliche pH-Wert der Nabelschnurarterie, der 5-Min.- und 10 Min.-Apgarwert sind nach Wassergeburten signifikant höher als nach Bettgeburten.

Schlussfolgerung

Wassergeburten und alternative Landgeburten, wie Maiahockergeburten, führen im Vergleich zur klassischen Bettgeburt nicht zu einer Erhöhung der mütterlichen und kindlichen Geburtsrisiken. Voraussetzung ist, dass gleiche medizinische Kriterien bei der Geburtsüberwachung und Geburtsleitung Anwendung finden.

Abstract

Objective

We evaluated whether deliveries in water are as safe as conventional deliveries.

Methods

Water deliveries were introduced at our teaching hospital in 1991. Data on all water and conventional deliveries were collected prospectively. For this study, we analyzed the maternal and neonatal outcome of 8535 singleton infants after spontaneous vaginal delivery from cephalic presentation between November 1991 and October 1999. Of these infants 3205 (37.6 %) were delivered in the water, 1236 (14.5 %) on a birth stool, and 3487 (40.9 %) in bed. The remaining 607 (7.1 %) deliveries were in other positions.

Results

There were no differences in parity or age among women delivered in the water, on a stool or in bed. The rate of neonatal and maternal infections was not increased with water delivery. Episiotomy rates were 8.9 % in women delivered in the water, 24.9 % in those delivered on a birth stool, and 30.7 % in those delivered in bed. Maternal blood loss and analgesic requirements were least with water delivery and these women had the best subjective birth experience. Mean arterial cord blood pH was significantly higher after water birth than after delivery in bed.

Conclusion

Delivery in water or on a birth stool are not associated with increased risks for the mother or neonate provided that the same medical criteria for the course of labor are applied.

Literatur

Dr. med. Verena Geissbühler

Frauenklinik Kantonsspital

8501 Frauenfeld

Schweiz