Geburtshilfe Frauenheilkd 2001; 61(10): 771-777
DOI: 10.1055/s-2001-18374
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Alternative Gebärmethoden verändern die Geburtsmedizin

Alternative Delivery Methods and Changes in Obstetric PracticeJ. Eberhard, V. Geissbühler, Ch. Chiffelle, S. Stein
  • Frauenklinik, Kantonsspital Frauenfeld, Schweiz
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Publication History

Publication Date:
09 November 2001 (online)

Zusammenfassung

Einführung und Fragestellung

Als erstes schweizerisches Lehrkrankenhaus führten wir 1991 ein neues geburtshilfliches Konzept ein, das - eingehend auf die Wünsche der Gebärenden - Wassergeburten, alternative Landgeburten und eine weniger invasive Geburtsleitung in die Geburtsmedizin integriert. Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Gebärmethoden gewählt werden und wie sich die Häufigkeit geburtsmedizinischer Interventionen verändert.

Material und Methodik

Die Geburtsparameter unserer Klinik nach Einführung des neuen Geburtskonzeptes (1991 bis 1999, 12 041 Geburten) werden in Bezug gesetzt zu zwei Vergleichskollektiven: dem der vorangehenden Jahre unserer Klinik (1986 bis 1990, 5602 Geburten) und dem großen Kollektiv der Geburtenstatistik Schweizerischer Frauenkliniken (ASF) (1986 bis 1999, 398 276 Geburten). Verglichen werden die gewählten Gebärarten, die Sectiorate, die Häufigkeit der Episiotomie, Blasensprengung, Geburtseinleitung, Rückenanästhesie und der Einsatz von Wehenmittel.

Ergebnisse

Nach Einführung des alternativen Geburtskonzeptes sinkt der Anteil an Bettgeburten bis auf etwa 40 %. Die Wassergeburten steigen rasch an bis auf 49 % der Spontangeburten. Die Sectiorate bleibt tiefer als in den schweizerischen Vergleichskliniken, die Episiotomierate sinkt ab von über 80 % auf unter 10 %. Die Häufigkeit der anderen geburtsmedizinischen Interventionen verändert sich weniger auffällig.

Schlussfolgerung

Alternative Gebärmethoden, vorab die Wassergeburten, sind sehr beliebt. Bisher hat uns die Einführung der Wassergeburt geholfen, die Sectiorate tief zu halten, die Inzidenz der Episiotomien zu senken und geburtsmedizinische Interventionen kritischer zu indizieren.

Abstract

Objective

In 1991 we instituted a new obstetric concept at our hospital to integrate water birth, alternative delivery positions and less invasive conduct of labor into practice according to the wishes of the mother. The present study analyzed which delivery methods were chosen and how the rate of obstetric interventions has changed.

Methods

We compared our recent data (12,041 deliveries between 1991 and 1999) with data from our institution before introduction of the new concept (5602 deliveries between 1986 and 1991) and with data from a national database (328,276 deliveries in Switzerland between 1986 to 1999). We compared birth positions and rates of cesarean section, episiotomy, amniotomy, induction or augmentation of labor, and epidural anesthesia.

Results

After 1991 the proportion of women delivered in bed declined to about 40 %. The rate of water births increased steadily to 49 % of all spontaneous deliveries. The episiotomy rate decreased from over 80 % to under 10 %. The cesarean section rate remained lower than that in the national database. Changes in other obstetric interventions were less pronounced.

Conclusion

Alternative delivery methods, particularly water birth, have become popular. This shift has helped keep the cesarean delivery rate low and decrease the episiotomy rate and has prompted more careful use of other obstetric interventions.

Literatur

PD Dr. med. Jakob Eberhard

Chefarzt Frauenklinik
Kantonsspital

8501 Frauenfeld

Schweiz