Gesundheitswesen 2001; 63(10): 597-601
DOI: 10.1055/s-2001-17874
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Pharmakotherapeutische Transferproblematik von stationärer zu ambulanter Versorgung

Difficulties in the Transfer of Drug Therapy from Inpatient to Ambulatory TreatmentS. Adl, B. M. Weltermann, A. Küching, C. Martin, G. Korbonits, H. W. Höpp
  • 1Arbeitsgruppe Klinische Gesundheitsökonomie und Qualitätssicherung (Leiter: Univ.-Prof. Dr. H. W. Höpp)
    Klinik III für Innere Medizin, Universität zu Köln (Direktor: Univ.-Prof. Dr. E. Erdmann)
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Oktober 2001 (online)

Zoom Image

Zusammenfassung

Ziel der prospektiv angelegten Untersuchung war der Vergleich der medikamentösen Therapie von insgesamt 192 primär kardiologischen Patienten zum Zeitpunkt der Klinikentlassung und nach i. M. sieben Wochen unter ambulanten Versorgungsbedingungen. Als Datengrundlage dienten die Entlassungsbriefe des Krankenhauses sowie die im Rahmen eines Interviews anhand eines standardisierten Fragebogens ermittelten Angaben der Patienten zur ambulanten Arzneimitteltherapie. Die Einteilung der Medikation erfolgte entsprechend den Empfehlungen der WHO zur Durchführung von Arzneimittelverbrauchs-Analysen anhand der ATC-Klassifikation. Der intraindividuelle Vergleich der Kosten basierte auf den zum Zeitpunkt der Untersuchung geltenden Apothekenlistenpreisen.

Insgesamt wurden bei über ⅔ der Patienten Therapieempfehlungen der Klinik von dem ambulant weiterbehandelnden Arzt modifiziert. Die häufigste Änderung bestand in der zusätzlichen Verordnung von Pharmagruppen. Eine signifikante Steigerung der durchschnittlichen Tagestablettenzahl war zwar bei Patienten mit gleichem, nicht jedoch bei solchen mit schlechterem subjektiven Befinden zu beobachten. Die Änderungshäufigkeit der Medikation erwies sich als abhängig von der Substanzgruppe, der Spezifikation des Arztes sowie der Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte. Tendenzen zur Kosteneinsparung waren vermehrt bei älteren Patienten zu beobachten, im Gesamtkollektiv sanken die durchschnittlichen ambulanten Tagestherapiekosten jedoch nur geringfügig. Kostenbewusstsein und Budgetdruck scheinen demnach beim Wechsel der Medikation nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Abstract

The prospective study compares prescribed drugs of 192 primarily cardiological patients at discharge and 7 weeks later in ambulatory care. The data were determined by discharge summaries and by standardized patient-questionnaires.

The drug division was made with the ATC-classification according to the recommendations of the World Health Organisation for Drug Utilisation Studies. The intraindividual cost comparison was calculated by current pharmacy sale prices.

The findings were changes in hospital discharge medications in ambulatory care in over ⅔ of the cases. The most frequent change was the additional prescribing of drug groups. The average daily tablet number increased in patients with the same or worsened subjective feeling after discharge. Additionally we found in a number of patients a change of drug therapy within the ATC-groups, or in fact, withdrawal of drug therapy all together. The frequency of changes increased with the number of patient/doctor contacts. The observation that the average daily therapeutical cost decreased just slightly could give an indication that cost saving was a minor part of the doctors decision for drug changing. However, the frequency of changes has shown to be dependent upon the specialities of the physician or pharmaceutical group.