Handchir Mikrochir plast Chir 2001; 33(1): 20-25
DOI: 10.1055/s-2001-12076
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Defektdeckung an Hand und Unterarm mit dem freien Skapula-Paraskapularlappen[*]

Reconstruction of Defects of the Forearm and Hand with the Combined Scapular-Parascapular Free FlapM. Sauerbier, D. Erdmann, B. Bickert, M. Wittemann, G. Germann
  • Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie - Schwerbrandverletztenzentrum (Chefarzt: Univ.-Prof. Dr. G. Germann), Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen, Universität Heidelberg
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Publication Date:
31 December 2001 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Komplexe Defekte an Hand und Unterarm sind mit dem Verlust wichtiger Strukturen vergesellschaftet. Eine möglichst frühe und einzeitige Rekonstruktion ist in hand- und mikrochirurgischen Zentren die Therapie der Wahl. Das Versorgungsgebiet der A. subscapularis bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Rekonstruktion von komplexen Defekten. Sowohl der Skapula- als auch der Paraskapularlappen ist einzeln als rein kutaner, fasziokutaner oder osteokutaner Lappen einsetzbar. Beide Lappen können auch miteinander an einem gemeinsamen Gefäßstiel transplantiert werden. In der vorliegenden Arbeit werden die eigenen Erfahrungen mit dem freien kombinierten Skapula-Paraskapularlappen zur Rekonstruktion von komplexen Defekten an Hand und Unterarm bei 13 Patienten berichtet. Patienten und Methode: Nachuntersuchung von 12 Patienten, bei denen in einem Zeitraum von fünf Jahren eine Defektdeckung an Hand und Unterarm mit dem freien kombinierten Skapula-Paraskapularlappen vorgenommen wurde. Weitere Behandlungsalternativen werden diskutiert. Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 39 Jahre, der durchschnittliche Nachuntersuchungszeitpunkt 20 Monate. Bei elf Patienten war ein schweres Trauma vorausgegangen; in einem Fall bestand ein massiver Infekt. Die zu verschließende Defektgröße variierte zwischen 12 × 8 cm und 45 × 20 cm. In zwei Fällen wurde ein osteokutaner Skapula-Paraskapularlappen verwendet, neunmal ein kombinierter kutaner oder fasziokutaner Lappen und bei einem Patienten ein so genannter „Vierfachlappen“. Bei einem Patienten kam es zu einer partiellen Lappennekrose. Acht Patienten verfügen postoperativ über eine gute oder sehr gute Handfunktion, zwei Patienten haben deutliche Einschränkungen, bei zwei weiteren wird die Hand als Beihand eingesetzt. Schlussfolgerung: Der freie kombinierte Skapula-Paraskapularlappen eignet sich hervorragend zur frühzeitigen Deckung komplexer Defekte an Hand und Unterarm. Der lange großkalibrige Gefäßstiel und die Variabilität der Kombinierbarkeit mit anderen Lappenplastiken aus dem Versorgungsgebiet der A. subscapularis unter Mitnahme von Knochenanteilen und Fasziengewebe ermöglichen eine exzellente Defektdeckung.

Summary

Background: Complex defects of the forearm and hand are associated with the loss of important structures. Single-stage reconstruction of these defects requires composite tissue transplantations. The subscapular region offers various components for the coverage of complex defects. The scapular and the parascapular flaps can be used each as cutaneous, fasciocutaneous and osteocutaneous or as a combined flap as well. The purpose of this study was to present our experience with the combined scapular-parascapular free flap for defect coverage of the forearm and hand in 13 patients. Patients and Method: Evaluation of 12 patients who underwent coverage of forearm and hand defects with the combined scapular-parascapular free flap during a five-year period. Other treatment options are discussed. Results: Average age of the patients was 39 years, there were ten male and two female patients. Average follow-up was 20 months. Eleven patients suffered from massive trauma, one patient from severe infection of the forearm and hand. The defect size varied from 12 × 8 cm to 45 × 20 cm. In nine cases, a cutaneous and/or fasciocutaneous scapular-parascapular flap was used, two patients underwent defect coverage with an osteocutaneous scapular-parascapular flap, and in one patient, a „four-flap-mega-flap“ was transplanted. One flap developed a partial necrosis. Eight patients developed a good or very good functional outcome with their hand and forearm, two patients have a moderate degree of disability. Two patients can use their hand as a supporting hand. Conclusion: This study demonstrates that the combined scapular-parascapular free flap is a reliable treatment choice for early coverage of defects of the forearm and hand. The advantages are the long, large and consistent vascular pedicle, the possibility of combination with other flaps and “custom-tailoring”, including whatever component is necessary to close the particular defect.

1 Nach einem Vortrag auf dem 39. Symposium der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie vom 14. bis 17. Oktober 1998 in Innsbruck.

Literatur

1 Nach einem Vortrag auf dem 39. Symposium der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie vom 14. bis 17. Oktober 1998 in Innsbruck.

Dr. med. Michael Sauerbier

Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie
Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen
Universität Heidelberg

Ludwig-Guttmann-Straße 13

67071 Ludwigshafen

Email: michael.sauerbier@urz.uni-heidelberg.de