Geburtshilfe Frauenheilkd 2001; 61(3): 147-152
DOI: 10.1055/s-2001-11901
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Analyse des Geburtengutes der Bundesrepublik Deutschland. 5. Mitteilung: Vergleich der Perzentilkurven der Körpermaße neugeborener Einlinge und Zwillinge

Growth Percentiles of Singleton and Twin Newborns: Analysis of Births in GermanyM. Voigt1 , K. Wermke2 , K.T.M. Schneider3 , G. Jorch4 , K. Friese1
  • 1 Frauenklinik, Medizinische Fakultät, Universität Rostock
  • 2 Institut für Anthropologie, Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin
  • 3 Frauenklinik, Technische Universität München
  • 4 Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde, Otto v. Guericke Universität Magdeburg
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Publication History

Publication Date:
31 December 2001 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Die Frage, ob für die Charakterisierung von Wachstumsverläufen von Zwillingen die bekannten Einlingsperzentilkurven verwendet werden können, oder nicht, ist bisher nicht entschieden. Obwohl bereits verschiedene Autoren auf der Grundlage eigener Untersuchungen vorschlagen, zwillingsspezifische Wachstumskurven zu verwenden, warnen andere vor einer solchen Verfahrensweise. Ein wesentlicher Grund für die Unentschiedenheit liegt in der geringen Datenbasis vorangegangener Zwillingsuntersuchungen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, auf der Basis anthropometrischer Erhebungen an 563 483 Einlingen (Voigt et al. 1996 [[17]]) und 81 986 Zwillingen (Voigt et al. 1999 [[18]]) einen Vergleich der Perzentilkurven der Körpermaße neugeborener Einlinge und Zwillinge vorzunehmen.

Methode

Das Geburtsgewicht, die Geburtslänge und der Kopfumfang wurden in Abhängigkeit vom Gestationsalter (21 - 43 SSW) anhand über kumulative Häufigkeiten ermittelter Perzentilwerte verglichen. Das umfangreiche Datenmaterial beider Kollektive entstammt der bundesweiten Perinatalerhebung (Jahrgang 1992 Einlinge, Jahrgänge 1990 - 1994 Zwillinge).

Ergebnisse

Wir konnten mit der vorliegenden Untersuchung zeigen, dass die Zwillingsperzentilwerte der Körpermaße von Jungen und Mädchen im Durchschnitt ab 30 vollendeten Schwangerschaftswochen beginnen, unter die Werte der Einlinge zu fallen.

Schlussfolgerungen

Das Ergebnis des vorliegenden Vergleiches unterstützt nochmals eindringlich die Notwendigkeit eigener Normwerte zur Beurteilung des somatischen Entwicklungsstandes von Zwillingen und die Erhebung solcher Normwerte auf der Grundlage einer prospektiven Untersuchung unter Berücksichtigung der perinatalen Mortalität und Morbidität.

Summary

Objective

There is no consensus whether twin gestations require different normal values for anthropometric measurements than singleton pregnancies. Some authors have recommended developing twin-specific growth curves whereas others prefer singleton standards. Part of the uncertainty results from the small size of databases on twins. The objective of the present study was to compare percentiles of birth weight, length, and head circumference of twin and singleton newborns according to gestational age between 21 and 43 weeks' gestation and sex in a large database.

Methods

We analyzed 81,986 twin births and 563,483 singleton births with cumulative frequencies and percentiles.

Results

After 30 weeks' gestation, percentile values for both male and female twins were below those for singletons.

Conclusion

These data suggest that current standards for singletons are not applicable to twins and that normograms for twins should be developed. Anthropometric measurements of twins and data on perinatal morbidity and mortality require further study.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. Dr. Manfred Voigt

Frauenklinik
Medizinische Fakultät
Universität Rostock

Doberaner Straße 142

18055 Rostock

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