Psychother Psychosom Med Psychol 2000; 50(12): 472-482
DOI: 10.1055/s-2000-9207
ORIGINALARBEIT
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Sense of Coherence Scale von Antonovsky

Teststatistische Überprüfung in einer repräsenta-tiven Bevölkerungsstichprobe und Konstruktion einer KurzskalaJörg Schumacher1 , Gabriele Wilz2 , Thomas Gunzelmann3 , Elmar Brähler2
  • 1Institut für Angewandte Psychologie, Klinische und Gesundheitspsychologie, Universität Leipzig
  • 2Selbständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig
  • 3Nürnberg
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Publication History

Publication Date:
31 December 2000 (online)

Zusammenfassung

Berichtet wird über die teststatistische Überprüfung der Sense of Coherence Scale (SOC-29) von Antonovsky in einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung (n = 2005) und die darauf aufbauende Konstruktion der Leipziger Kurzskala (SOC-L9), welche lediglich 9 Items umfasst. Die SOC-29 zeigt in unserer Studie eine gute interne Konsistenz, jedoch eine mangelnde faktorielle Validität. Die theoretisch beschreibbaren SOC-Komponenten „Verstehbarkeit”, „Handhabbarkeit” und „Sinnhaftigkeit” korrelieren hoch miteinander und lassen sich in ihrer Struktur faktorenanalytisch nicht reproduzieren. Da die Existenz eines Generalfaktors angesichts des Eigenwerteverlaufs wahrscheinlich erscheint, sollte ausschließlich der SOC-Gesamtwert Verwendung finden. Die neu entwickelte SOC-L9, welche als eindimensionale Skala konzipiert ist, erweist sich als ein reliables und valides Messinstrument, das eine ökonomische Erfassung des Kohärenzgefühls gestattet. Das Ausmaß des Kohärenzgefühls ist in unserer Untersuchung abhängig vom Alter (alterskorrelierte Abnahme des SOC) und Geschlecht (niedrigerer SOC bei Frauen). Darüber hinaus finden sich signifikante Zusammenhänge zwischen dem Kohärenzgefühl und Indikatorvariablen des psychischen und physischen Wohlbefindens. Ein höheres Kohärenzgefühl ist mit einer geringeren Zahl von subjektiven Beschwerden, weniger somatoformen Symptomen und geringeren Beeinträchtigungen des Alltagslebens assoziiert.

Antonovsky's Sense of Coherence Scale - Its Validation in a Population-Based Sample and the Development of a New Short Scale

In this article we will describe the evaluation of Antonovsky's 29-items Sense of Coherence Scale (SOC-29) in a large community sample (n = 2.005) of the German population and the development of the Leipzig Short Scale (SOC-L9), which consists of only 9 items. The SOC-29 has a high internal consistency (α = 0.92), however, the SOC-subscales (comprehensibility, manageability, meaningfulness) were correlated with each other. A principal component factor analysis did not identify the 3-factor structure of the SOC-Scale. It appears that the best solution consists of one global factor. The newly developed SOC-L9, conceptualized as an unidimensional scale, is a reliable and valid instrument, which allows to assess the SOC economically. In our study the Sense of Coherence depended on age and gender. Women and older people reported a lower SOC. Furthermore we found significant associations between SOC and different subjective health measures. A high SOC was associated with both a lower extent of subjective body complaints and somatoform symptoms and with minor health-related problems in daily living.

Literatur

Dr. Jörg Schumacher

Universität Leipzig

Institut für Angewandte Psychologie, Klinische und Gesundheitspsychologie

Seeburgstr. 14 - 20

04103 Leipzig

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