Rofo 2000; 172(10): 853-855
DOI: 10.1055/s-2000-7901
DER INTERESSANTE FALL
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Palliative Therapie eines arteriell blutenden malignen Uretertumors - Transfemorale Tumorembolisation

F. Poretti, J. A. Schneider, D. Vorwerk
  • Ingolstadt
Further Information

Publication History

Publication Date:
31 December 2000 (online)

Uretertumoren sind ein insgesamt seltenes Erkrankungsbild (Hohenfellner R et al., Urologie in Klinik und Praxis 1982; 512). Epidemiologisch können bezüglich Inzidenz und Mortalität erhebliche regionale Differenzen auftreten, welche durch unterschiedliche Lebensgewohnheiten (Ernährung, Rauchen, Kaffee) sowie durch die Exposition gegenüber industriellen Noxen (aromatische Amine) erklärt sind.

In der Mehrzahl der Befunde handelt es sich dabei mit über 90 % um maligne Tumoren. Diese machen insgesamt lediglich 0,8 - 1 % aller Malignome des Urogenitalsystems aus. Benigne Uretertumoren wie das Papillom sind mit ca. 1 % der Fälle die Ausnahme. Unter den malignen Uretertumoren steht hinsichtlich des histologischen Gewebetyps das Urothelkarzinom mit ca. 90 % an erster Stelle.

In ca. 59 % der Fälle sind die Tumoren im distalen, zu 30 % im mittleren und zu 12 % im proximalen Ureter lokalisiert. Die Geschlechtsverteilung zeigt eine Präferenz der Männer, welche zweimal häufiger als Frauen erkranken. Der Altersgipfel befindet sich in der 7. Lebensdekade (Kühn R et al, Urologe 1994; 33: 247). In 0,5 - 2 % finden sich bei der Erstdiagnose multiple Tumoren. 2 - 4 % der Patienten entwickeln zu einem späteren Zeitpunkt einen Tumor im kontralateralen harnableitenden System (Schulze-Seemann W, Lehrbuch Urologie 1995; 213).

Das therapeutische Vorgehen bei supravesikalen Urotheliomen besteht mehrheitlich in der radikalen Nephroureterektomie unter Mitnahme einer Blasenmanschette. Partielle Harnleitersegment-Resektionen sind meist die Ausnahme (Kühn R, et al, Urologe 1994; 33: 247). Einzelne kleine oberflächliche Ureter- bzw. Nierenbeckentumoren können auch ureterorenoskopisch organerhaltend reseziert oder einer Lasertherapie zugeführt werden. Da das Urothelkarzinom der oberen Harnwege ein Erkrankungsbild des höheren Lebensalters mit Erkrankungsgipfel im 7. Dezennium ist, kann die operative Therapie bei den in diesem Lebensalter oftmals multimorbiden Patienten nicht immer zur Anwendung gelangen.

In dem nun Folgenden berichten wir über einen palliativen Therapieansatz durch selektive Tumorembolisation bei einem blutenden Urothelkarzinom des proximalen bis mittleren Ureters.