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DOI: 10.1055/s-0045-1811683
Fallbericht – Anästhesie einer 2-jährigen Türkisch Van Katze mit einer Peritoneoperikardialen Hernia diaphragmatica (PPHD) zur full mouth extraction aufgrund von feliner chronischer Gingivostomatitis (FCGS)
Authors
Ein 24 Monate alter, 3,5 kg schwerer, kastrierter Türkisch Van Kater wurde zur full mouth extraction aufgrund von Feliner Chronischer Gingivostomatitis (FCGS) überwiesen. Vorberichtlich lag eine Peritoneoperikardiale Hernia diaphragmatica (PPHD) vor.
Der Patient wurde präoxygeniert, anschließend mit Levomethadon/Fenpipramid 0,15 mg/kg/7,14 µg/kg i.v. und Midazolam 0,3 mg/kg i.v. prämediziert und mit Alfaxalon i.v. nach Effekt anästhesiert. Es erfolgte eine sofortige Intubation, manuelle Beatmung mit 100% Sauerstoff und Monitoring mittels Pulsoximetrie. Zu Beginn der Narkose lag eine Hypoxämie mit SpO2-Werten um 60% vor. Durch wiederholte vertikale Aufrichtung des Tieres, Beatmung mit positivem endexspiratorischem Druck (PEEP) von 3 cm H2Ound anschließender Hochlagerung konnte in unter 10 Minuten Sättigungswerte von 97–99% erreicht werden. Die Narkose wurde mittels Isofluran aufrechterhalten, es erfolgte eine Dauertropfinfusion mit 3 ml/kg/Stunde einer balancierten, kristalloiden Infusionslösung. Der mittlere arterielle Blutdruck (MAP) betrug 65 - 85 mmHg, die Herzfrequenz lag initial bei 220/Minute (Min), im weiteren Verlauf zwischen 130 und 160/Min. Der Kater atmete selbstständig (12–14 Atemzüge/Min). Nach dentaler Röntgendiagnostik wurden sämtliche Zähne extrahiert. Eine Schmerzausschaltung mittels Lokalanästhesie war aufgrund der hochgradigen Stomatitis nicht erfolgreich. Stattdessen wurden intravenöse Boli von Ketamin (3 mg/kg i.v.) und Fentanyl (5 µg/kg i.v.) appliziert. Das Umlagern von linker in rechte Seitenlage erfolgte schrittweise unter apparativem Monitoring ohne Komplikationen. Der gesamte Eingriff dauerte 68 Min. In der Aufwachphase wurde der Patient weiterhin erhöht gelagert und mit Sauerstoff supplementiert. Nach 20 Min konnte der Kater extubiert und nach 4 Stunden entlassen werden. Die postoperative Analgesie umfasste Meloxicam (0,1 mg/kg s.c. initial, 0,05 mg/kg oral 1 xtgl für 5 Tage) und Buprenorphin (10 µg/kg transmukosal 3x tgl. für 3 Tage).
Wichtige Aspekte des Fallmanagements umfassen eine ausführliche Risikoaufklärung der Besitzer, Narkoseeinleitung mit reversiblen bzw. kurzwirksamen Medikamenten, Präoxygenierung, sofortiger Intubation und Beatmung mit 100% Sauerstoff und PEEP, vertikale Aufrichtung bei Abfall der Sauerstoffsättigung und anschließende sorgfältige Hochlagerung, umfassendes klinisches und apparatives Monitoring, multimodale Schmerztherapie, kurze Operationsdauer sowie Monitoring inkl. Sauerstofftherapie in der Aufwachphase.
Publication History
Article published online:
15 October 2025
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