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DOI: 10.1055/s-0045-1811682
Fallbericht – Anästhesie eines Zweifinger-Faultieres (Choloepus didactylus) zur bildgebenden Diagnostik
Authors
Ein 4 Jahre altes (5 kg), männliches Zweifinger-Faultier zeigte eine chronische Inappetenz und Apathie. Das Faultier verweilte phasenweise in seiner Kiste, ohne sich, im Gegensatz zum artspezifischen Verhalten, mit den Gliedmaßen festzuhalten. Neben einem Body Condition Score von 2/9 und einem reduzierten Allgemeinbefinden blieben die Allgemeinuntersuchung und Routinelaborparameter unauffällig. Daher wurde das Tier zur neurologischen Untersuchung und weiteren bildgebenden Diagnostik (US, CT, MRT) vorgestellt.
Aufgrund des reduzierten Allgemeinzustandes und der niedrigen Stoffwechselrate erfolgte die Anästhesieeinleitung per Maske mittels Sevofluran (beginnend mit 8%) in 10 l/min Sauerstoff. Nach 3 Minuten war der Muskeltonus in den Vordergliedmaßen reduziert. Nach 6 Minuten konnte das Faultier in Brustbauchlage mit einem Tubus ID 4 mit Blockmanschette intubiert werden. Ein peripherer Venenkatheter (20 G) wurde in die V. ulnaris gelegt. Nach Anästhesieeinleitung lag die Herzfrequenz bei 120/min, die Sauerstoffsättigung bei 100%, der mittlere arterielle Blutdruck (MAP) bei 118 mmHg, die rektale Körpertemperatur bei 34,4°C. Das Tier atmete spontan mit einer AF von 15/min und einem endexspiratorischen CO2 von 32 mmHg. Die Anästhesieerhaltung erfolgte mit Sevofluran (expiratorisch 2,2–4,3 Vol%) in Sauerstoff. Während der abdominalen Sonographie bewegte das Faultier ein Vorderbein, daraufhin wurde die Anästhesie mittels 0,6 mg/kg Propofol IV vertieft, um möglichst schnell die gewünschte Anästhesietiefe wieder zu erreichen. Dies resultierte in einer Apnoe, die eine Beatmung erforderlich machte. 30 Minuten nach Anästhesieeinleitung fiel der oszillometrisch gemessene MAP unter die Detektionsgrenze und lag nach 2 Boli 5 ml/kg Vollelektrolytlösung bei 55 mmHg. Die Herzfrequenz zu diesem Zeitpunkt lag bei 78/min, daher wurde 20 µg/kg Glycopyrrolat IV injiziert. Für die anschließende MRT Untersuchung wurde ein Dobutamin DTI gestartet (5 µg/kg/min), dies führte zu einem Anstieg des MAP auf 83 mmHg die HF lag bei 105/min.
Die Sevofluranzufuhr wurde nach 193 Minuten Gesamtanästhesiezeit beendet. Das Tier zeigte eine ruhige Aufwachphase mit Rückkehr des Schluckreflexes und Extubation nach 13 Minuten. Da die Körpertemperatur während Anästhesie auf 32,3°C gefallen war, erfolgte während der Aufwachphase ein Aufwärmen mittels Heißluftsystem.
In bei der Sonographie gewonnenem Zystozenteseurin wurde ein hgr. Enterococcus faecalis-Gehalt nachgewiesen. Daraufhin wurden dem Faultier 12,5 mg/kg Amoxiclav intramuskulär über 5 Tage verabreicht. Die weiteren durchgeführten Untersuchungen blieben ohne Befund. Aus diesem Grund wurde eine symptomatische, appetitsteigernde Therapie begonnen.
Publication History
Article published online:
15 October 2025
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