Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2025; 53(05): 321
DOI: 10.1055/s-0045-1811681
Abstracts | DVG

Inhalationsanästhesie mit ultraschallgesteuerter Regionalanästhesie bei einem Husarenaffen (Erythrocebus patas) zur Behandlung einer iatrogen erzeugten Tibiafraktur

Authors

  • S Brause

    1   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • N Foraita

    1   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • I S Henze

    1   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • L Kluge

    2   Klinik für Kleinsäuger-, Reptilien- und Vogelmedizin und -chirurgie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • J Siedenburg

    1   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • SB R Kästner

    1   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
 

Ein 10 Jahre altes, 6,7 kg schweres, allgemeingesundes Husarenaffen-Weibchen wurde mit einem Blasrohrpfeil sediert, der versehentlich medial an der Hintergliedmaße eintrat. Bei der Erstuntersuchung wurde an der Injektionsstelle eine Lazeration des Weichteilgewebes ohne knöcherne Beteiligung festgestellt.

Vierzehn Tage später wurde eine deutliche Lahmheit festgestellt. Nach oraler Verabreichung von 6 mg/kg Diazepam kletterte der Affe bereitwillig in eine Transportbox und konnte in der Klinik von Hand mit 0,05 mg/kg Medetomidin und 5 mg/kg Ketamin i.m. sediert werden. Nach legen eines intravenösen Katheters in die Vena cephalica des linken Armes, wurde die Allgemeinanästhesie mit Propofol i.v. eingeleitet und nach orotrachealer Intubation mit Sevofluran unter 100% Sauerstoff aufrechterhalten. Die Röntgenuntersuchung ergab eine lange Schrägfraktur der Tibia. Vor der Osteosynthese, erfolgte eine ultraschallgesteuerte Regionalanästhesie des N. femoralis und N. ischiadicus mit 2 mg/kg Bupivacain.

Neben dem Standartmonitoring konnte eine nichtinvasive oszillometrische Blutdruckmessung während des gesamten Eingriffes am Unterarm durchgeführt werden. Als Komplikationen traten während der Anästhesie eine Hypothermie und eine Hypotonie (MAP 55± 5 mmHg) auf. Letztere war nicht flüssigkeitsresponsiv und wurde mit einem Dobutamin Dauertropf i.v. nach Effekt (3–5 µg/kg/min) behandelt. Die übrigen Vitalparameter lagen während der gesamten Operation (4 Stunden) im normalen Referenzbereich für Altweltaffen [1] [2].

Nach Abschluss der Operation erfolgte die Aufwachphase in der eigenen Transportbox. Käfigruhe, orales Enrofloxacin (5 mg/kg PO) und Meloxicam (0,2 mg/kg PO) wurden für 10 Tage fortgesetzt. Die Funktion der betroffenen Gliedmaße war zunächst eingeschränkt, während das weitere Allgemeinbefinden ungestört war.

In diesem Fallbericht wird das Anästhesiemanagement während der chirurgischen Versorgung einer Tibiafraktur bei einem Husarenaffen beschrieben, die vermutlich iatrogen durch einen Betäubungspfeil entstanden ist.



Publication History

Article published online:
15 October 2025

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