Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2025; 53(05): 319-320
DOI: 10.1055/s-0045-1811677
Abstracts | DVG

Anästhesie bei Eisbären: Fallbeispiele und Erfahrungen mit Tiletamin/Zolazepam und Medetomidin

Authors

  • L Wittenberg-Voges

    1   Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • J Tünsmeyer

    2   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • S Neudeck

    2   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • SB R Kästner

    2   Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • K von Dörnberg

    3   Erlebnis-Zoo Hannover
  • V Molnár

    3   Erlebnis-Zoo Hannover
 

Die Anästhesie von Eisbären (Ursus maritimus) stellt aufgrund ihrer Größe und Physiologie eine besondere Herausforderung dar. In dieser Fallserie wurden 3 im Zoo gehaltene Tiere mit einem Körpergewicht zwischen 300 und 575 kg für Eingriffe wie Zahnbehandlungen, Wundversorgung und Kastration in Allgemeinanästhesie verbracht. Zur Induktion und Aufrechterhaltung der Anästhesie wurde eine Kombination aus Tiletamin/Zolazepam (2 mg/kg) und Medetomidin (40 μg/kg) per Blasrohr verabreicht. Die Tiere wurden intubiert (ID 16 und 18 mm) und die Anästhesie mit Isofluran und bei Bedarf Ketamin-Bolus-Injektionen (bis zu 1 mg/kg i.v.) aufrechterhalten, wobei ein kontinuierliches Monitoring der Vitalfunktionen durchgeführt wurde [1].

Der venöse Zugang erfolgte bei allen Tieren in der Vena sublingualis, was eine sichere Verabreichung von moderaten Infusionsmengen und Blutprobenentnahmen ermöglichte und schnell und unkompliziert möglich war. Als Analgetikum wurde Meloxicam 0,2 mg/kg i.m. eingesetzt und bei einem Tier zusätzlich für die Extraktion eines Backenzahns eine Anästhesie des Nervus maxillaris mit 10 ml Bupivacain (0,15 mg/kg) durchgeführt. Hierfür wurde ein Eisbärschädel genutzt, um anatomische Referenzpunkte zu verifizieren. Zur Lokalanästhesie während der Kastration wurde Lidocain intratestikuläre appliziert (5,5 ml pro Hoden, 0,38 mg/kg).

Aufgrund des Gliedmaßendurchmessers war es nur bei dem kleinsten der 3 Tiere möglich die Blutdruckmanschette zur oszillometrischen Blutdruckmessung oberhalb des Karpus zu platzieren. Hier lieferte die Messung intermittierend interpretierbare Werte und erbrachte Hinweise auf eine Hypertension während der Anästhesie. Abgesehen hiervon war der Verlauf der Anästhesien stabil und komplikationsfrei. Die Aufwachphase verlief ruhig und kontrolliert, nachdem Atipamezol (0,2 mg/kg) als Antagonist von Medetomidin intramuskulär verabreicht wurde.

Cattet et al. beschrieb bereits 1999 die stabile Anästhesietiefe unter der Kombination aus Tiletamin/Zolazepam und Medetomidin bei Eisbären, welche der klassischen Ketamin-Medetomidin-Kombination überlegen war. Auch die hier beschriebenen Fälle zeigen, dass diese Kombination für die Anästhesie von Eisbären gut geeignet ist. Trotz der Herausforderungen bei der Blutdruckmessung waren die gesamten Anästhesieprozesse sicher und effizient.



Publication History

Article published online:
15 October 2025

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  • Literatur

  • 1 Cattet MR, Caulkett NA, Polischuk SC, Ramsay MA.. Anesthesia of polar bears (Ursus maritimus) with zolazepam-tiletamine, medetomidine-ketamine, and medetomidine-zolazepam-tiletamine. J Zoo Wildl Med 1999; 30 (03) 354-360 10572857