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DOI: 10.1055/s-0045-1811675
Inzidenz und Zeitpunkt des Gastrointestinalen Syndroms bei Kaninchen nach der Anästhesie – eine unterschätzte Narkosekomplikation?
Autor*innen
Ziel der Studie Das Rabbit Gastrointestinal-Syndrom (RGIS) beinhaltet Symptome von Inappetenz, Kotabsatzstörungen, Bauchschmerzen und Verhaltensänderungen. Trotz der bekannten hohen Mortalität von Kaninchen wird RGIS selten als anästhetische Komplikation erwähnt. Ein möglicher Grund könnte ein Wahrnehmungsbias sein, da die Tiere post Anästhesie oftmals schnell heimgegeben werden.
Ziel dieser Studie war es daher, die Inzidenz von RGIS nach einer Anästhesie oder Sedation bis zu einem Zeitraum von 7 Tagen zu erfassen, wobei zwischen dem Auftreten in der Klinik und nach Heimgabe unterschieden wurde.
Methode Prospektive Pilotstudie an der Vetmeduni Vienna. Tierhalter*innen, deren Kaninchen zwischen März 2024 und Januar 2025 eine Sedation oder Vollnarkose hatten, konnten an einem strukturierten Telefoninterview zum Auftreten des RGIS eine Woche nach Anästhesie oder Sedation teilnehmen. Zudem wurden der Gesundheitsstatus (ASA 1–5) sowie das postanästhetische Verhalten der Tiere in der Klinik dokumentiert, u.a. Darmgeräusche und Futteraufnahme. Eine Ethikmeldung war laut den zuständigen Behörden nicht notwendig.
Ergebnisse Insgesamt wurden 20 Anästhesien von 19 Kaninchen ausgewertet, wobei 2 ASA 1, 11 ASA 2, 5 ASA 3, davon eins als Notfall und ein ASA 4 Notfall waren. Nur eine Sedation erhielten 5 Tiere, 15 eine Vollnarkose. Nach dem Eingriff zeigten 17 Tiere verminderte Darmgeräusche und/oder Futteraufnahme, wobei sich diese Beobachtung nicht mit der tatsächlichen Ausprägung eines RGIS deckte. In den folgenden Tagen wurden 11 Kaninchen (55%) mit behandlungsbedürftigem RGIS diagnostiziert. Acht weitere zeigten nicht behandlungsbedürftige Anzeichen eines RGIS.
Schlussfolgerung Das RGIS ist eine sehr häufige Komplikation nach einer Sedation und Vollnarkose beim Kaninchen, die vornehmlich erst zu Hause erkennbar wird. Weitere Forschung zu den Ursachen und Handlungsmöglichkeiten sollte unternommen werden.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
15. Oktober 2025
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