Z Gastroenterol 2025; 63(05): e323-e324
DOI: 10.1055/s-0045-1809207
Abstracts
3. Hepatologie

MASLD und koronare Kalzifizierung: Robuste Evidenz durch bayesianische Analysen.

F Koutny
1   Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften, Krems, Austria
2   Universitätsklinikum St. Pölten, Abteilung für Innere Medizin 2 Gastroenterologie & Hepatologie, St.Pölten, Austria
3   Paracelsus Medizinische Universität, Medical Science Research Program, Salzburg, Austria
,
V Frey
4   Christian-Doppler-Klinik, Abteilung für Neurologie, Salzburg, Austria
5   Christian-Doppler-Universitätsklinikum, Neuroscience Institut, Salzburg, Austria
,
C Datz
6   Allgemeines Krankenhaus Oberndorf, Abteilung für Innere Medizin, Salzburg, Austria
,
S Gensluckner
3   Paracelsus Medizinische Universität, Medical Science Research Program, Salzburg, Austria
7   Universitätsklinikum Salzburg, Universitätsklinik für Innere Medizin 1, Salzburg, Austria
,
J Prosenz
1   Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften, Krems, Austria
2   Universitätsklinikum St. Pölten, Abteilung für Innere Medizin 2 Gastroenterologie & Hepatologie, St.Pölten, Austria
3   Paracelsus Medizinische Universität, Medical Science Research Program, Salzburg, Austria
,
P Langthaler
4   Christian-Doppler-Klinik, Abteilung für Neurologie, Salzburg, Austria
,
A Maieron
1   Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften, Krems, Austria
2   Universitätsklinikum St. Pölten, Abteilung für Innere Medizin 2 Gastroenterologie & Hepatologie, St.Pölten, Austria
3   Paracelsus Medizinische Universität, Medical Science Research Program, Salzburg, Austria
,
M Flamm
8   Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Zentrum für Public Health und Gesundheitsforschung, Salzburg, Austria
9   Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Institut für Allgemeinmedizin, Familienmedizin und Präventivmedizin, Salzuburg, Austria
,
D Weghuber
10   Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Forschungsprogramm für Medizinwissenschaften, Salzburg, Austria
,
B Iglseder
11   Christian-Doppler-Klinik, Abteilung für Geriatrische Medizin, Salzburg, Austria
,
E Trinka
4   Christian-Doppler-Klinik, Abteilung für Neurologie, Salzburg, Austria
12   UMIT – Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Abteilung für Public Health, Versorgungsforschung und Health Technology Assessment, Tirol, Austria
,
B Paulweber
7   Universitätsklinikum Salzburg, Universitätsklinik für Innere Medizin 1, Salzburg, Austria
,
E Aigner
7   Universitätsklinikum Salzburg, Universitätsklinik für Innere Medizin 1, Salzburg, Austria
,
B Wernly
7   Universitätsklinikum Salzburg, Universitätsklinik für Innere Medizin 1, Salzburg, Austria
8   Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Zentrum für Public Health und Gesundheitsforschung, Salzburg, Austria
› Institutsangaben
 

Einleitung Metabolische dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) ist ein global zunehmendes Problem mit leber- und kardiometabolischen Risiken. Diese Studie untersucht ihren Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit mittels bayesianischer Analyse.

Material und Methodik Es wurden insgesamt 1.427 Teilnehmer mit sonographisch diagnostizierter MASLD eingeschlossen. Die koronare Kalzifizierung (Agatston-Score>0) wurde mittels Herz-CT quantifiziert. Eine Poisson-Regression (frequentistisch & bayesianisch)2 mit Adjustierung für kardiovaskuläre Risikofaktoren (1: univariate; 2: Score 2; 3: Alter, Geschlecht, metabolisches Syndrom, Rauchstatus) wurde durchgeführt. Drei Prior-Verteilungen (nicht-informativ, pessimistisch, skeptisch) wurden ausgewählt und die Ergebnisse als posteriore Mediane mit 95% höchstem a-posteriori-Dichte- (HPD)-Intervall sowie Wahrscheinlichkeiten für IRR>1 (positiver Effekt), IRR>1,10 (mindestens 10% erhöhtes Risiko) und IRR>1,20 (mindestens 20% erhöhtes Risiko) angegeben ([Table 1]).

Tab. 1 zeigt die Inzidenzratenverhältnisse (IRR) mit 95% Konfidenzintervallen (KI) oder Höchsten a-posteriori-Dichte-Intervallen (HPD) für den Zusammenhang zwischen MASLD und koronarer Kalzifizierung in verschiedenen statistischen Modellen. Sie enthält Ergebnisse aus frequentistischen Poisson-Regressionen (unadjustiert, SCORE2-adjustiert und vollständig adjustiert) sowie bayesianischen Analysen mit nicht-informativem, pessimistischem und skeptischem Prior. Zudem werden posteriore Wahrscheinlichkeiten für klinisch relevante Effektstärken (IRR>1, IRR>1,10 und IRR>1,20) angegeben.

Table 1.

IRR (95% KI/HPD)

p-Wert / Wahrscheinlichkeit für IRR>1

Wahrscheinlichkeit für IRR>1.10

Wahrscheinlichkeit für IRR>1.20

Frequentistisch (unadjustiert)

1.64 (1.46 – 1.84)

<0.001

100%

100%

Frequentistisch (SCORE2-adjustiert)

1.15 (1.01 – 1.31)

0.03

69.1%

32.7%

Frequentistisch (voll adjustiert)

1.13 (0.99 – 1.31)

0,08

60.5%

29.0%

Bayesianisch (nicht-informativer Prior, unadjustiert)

1.65 (1.38 – 1.92)

100 %

100%

100%

Bayesianisch (nicht-informativer Prior, SCORE2-adjustiert)

1.16 (0.95 – 1.37)

92.7%

69.0%

32.7%

Bayesianisch (nicht-informativer Prior, voll adjustiert)

1.14 (0.91 – 1.37)

87.2%

60.4%

29.0%

Bayesianisch (pessimistischer Prior, unadjustiert)

1.25 (1.14 – 1.38)

99.8%

99.8%

81.6%

Bayesianisch (pessimistischer Prior, SCORE2-adjustiert)

1.11 (1.01 – 1.22)

98.1%

56.4%

6.1%

Bayesianisch (pessimistischer Prior, voll adjustiert)

1.11 (1.00 – 1.23)

97.5%

57.6%

7.2%

Bayesianisch (skeptischer Prior, unadjustiert)

1.17 (1.06 – 1.28)

99.97%

91.0%

31.8%

Bayesianisch (skeptischer Prior, SCORE2-adjustiert)

1.04 (0.94 – 1.14)

78.4%

12.1%

0.3%

Bayesianisch (skeptischer Prior, voll adjustiert)

1.03 (0.93 – 1.14)

69.9%

10.8%

0.16%

Abkürzungen: IRR=Inzidenzratenverhältnis (Incidence Rate Ratio); KI=Konfidenzintervall (Confidence Interval; HPD=Höchstes a-posteriori-Dichte-Intervall (Highest Posterior Density Interval); MASLD=Metabolische Dysfunktions-assoziierte Steatotische Lebererkrankung; SCORE2=Modell zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos;

Ergebnisse Die frequentistische Analyse zeigte, dass Patienten mit MASLD ein 64% signifikant höheres Risiko für eine koronare Kalzifizierung hatten als ohne (unadjustiertes IRR=1,64; p<0,001). Nach Adjustierung für SCORE2 blieb der Zusammenhang signifikant (IRR=1,15; p=0,034), während er nach vollständiger Adjustierung an Signifikanz verlor (IRR=1,13; p=0,079) (Tabelle 1). Die bayesianische Analyse mit nicht-informativem Prior bestätigte den positiven Zusammenhang (IRR=1,65; 95% HPD 1,38-1,92) mit 100% posteriorer Wahrscheinlichkeit, auch für IRR>1,10 und IRR>1,20 im unadjustierten Modell. Nach voller Adjustierung blieb eine posteriore Wahrscheinlichkeit von 29,0% für IRR>1,20 bestehen. Selbst mit skeptischem Prior zeigte das unadjustierte Modell eine 99% Wahrscheinlichkeit für einen positiven Effekt (IRR>1). Nach SCORE2-Adjustierung sank diese auf 78,4% und im voll adjustierten Modell blieb sie bei 69,9% (IRR=1,03; 95% HPD 0,93-1,13), mit nur 10,9% für IRR>1,10 und 0,2% für IRR>1,20.

Zusammenfassung MASLD ist mit koronarer Kalzifizierung assoziiert, auch nach Adjustierung für kardiovaskuläre Risikofaktoren. Die bayesianische Analyse zeigt jedoch, dass Alter, Geschlecht und metabolische Faktoren eine größere Rolle spielen und die Wahrscheinlichkeit für einen stark ausgeprägten Effekt (>20%) nach Adjustierung deutlich sinkt. MASLD bleibt ein unabhängiger Risikofaktor für subklinische Atherosklerose, wenn auch mit begrenztem Einfluss.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
13. Mai 2025

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