Ultraschall Med 2024; 45(S 01): S19-S20
DOI: 10.1055/s-0044-1789058
Abstracts
Donnerstag, 03. Oktober 2024, V 3 – Interdisziplinär, 10:30 – 12:00 Uhr, Saal: Mozart 1
Abdomen
Mündliche Präsentation

Routinemäßige Nüchternheit ist vor einer abdominellen Ultraschalluntersuchung nicht erforderlich

Authors

  • M. Schreiner

    1   Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, Klinik für Innere Medizin, Hamburg, DE
    2   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Innere Medizin, Berlin, DE
  • H. Thien

    2   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Innere Medizin, Berlin, DE
    3   St. Joseph Krankenhaus Berlin, Medizinische Klinik II Schwerpunkt Nephrologie, Berlin, DE
  • I. Hoffmann

    2   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Innere Medizin, Berlin, DE
    4   Turku University Hospital and University of Turku, Department of Clinical Neurosciences, Brain Injury Center, Injury Epidemiology and Prevention (IEP) Research Group, Turku, FI
  • T. Braasch

    2   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Innere Medizin, Berlin, DE
    5   Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie, Berlin, DE
  • U. Wesemann

    6   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Psychotraumazentrum der Bundeswehr, Berlin, DE
  • D. Merkel

    7   Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, BIKUS (Brandenburgisches Institut für Klinischen Ultraschall), Neuruppin, DE
  • M. Ludwig

    2   Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Innere Medizin, Berlin, DE
 

Problemstellung Viele Patienten erhalten vor abdominellen Ultraschalluntersuchungen die Empfehlung nüchtern zu bleiben. Die wenigen Studien zu diesem Thema konnten bislang keinen diagnostischen Vorteil für eine mehrstündige Nüchternheit demonstrieren. Vor dem Hintergrund einer hohen Rate von Patienten, die durch Mangelernährung gefährdet sind, sollte unnötiges Fasten vermieden werden.

Patienten und Methode Wir rekrutierten für diese prospektive Untersucher-verblindete Studie 250 stationäre Patienten, die in unserer Klinik für eine abdominelle Sonographie angemeldet wurden, und teilten sie in drei Gruppen ein: mehrstündige Nüchternheit, Frühstück und Trinknahrung. 215 Patienten konnten ausgewertet werden. Die Sonographien wurden nacheinander von unerfahrenen und erfahrenen Untersuchern durchgeführt, die sieben definierte anatomische Strukturen auf einer Likert-Skala von 1 (nicht beurteilbar) bis 5 (sehr gut beurteilbar) unabhängig voneinander nach der subjektiv empfundenen Beurteilbarkeit bewerteten. Der Mittelwert aus diesen Scores wurde als Surrogatparameter für die diagnostische Qualität des abdominellen Ultraschalls für die drei Gruppen analysiert.

Ergebnis Ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen konnte nur für unerfahrene Untersucher (p=0,015) demonstriert werden. Hier waren Patienten nach Einnahme von Trinknahrung am besten beurteilbar, die Effektstärke war jedoch nur gering. Die Gruppen mit einem festen Frühstück und Nüchternheit unterschieden sich nicht signifikant. Bei erfahrenen Untersuchern gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen (p=0,124).

Schlussfolgerung Wir schließen daraus, dass eine generelle Empfehlung für eine mehrstündige Nüchternheit vor abdominellen Sonographien nicht notwendig ist. Unerfahrene Untersucher könnten davon profitieren, wenn Patienten eine Trinknahrung anstelle eines festen Frühstücks einnehmen. Erfahrene Untersucher sind möglicherweise in der Lage, suboptimale Untersuchungsbedingungen durch ihre Untersuchungstechnik auszugleichen.



Publication History

Article published online:
04 September 2024

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