Pneumologie 2018; 72(02): 103-105
DOI: 10.1055/s-0044-101117
DGP-News
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OPS „Tabakentwöhnung“ im DRG-System – eine lohnende Perspektive für Patienten und Klinik

S. Andreas
1  Lungenfachklinik Immenhausen
2  Abteilung Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen
,
B. Jany
3  Missionsärztliche Klinik Würzburg
,
T. Hering
4  Lungenpraxis Tegel, Berlin
,
C. Rustler
5  Geschäftsführung DNRfK e.V., Berlin
,
C. Grah
6  Abteilung für Pneumologie, Gemeinschafts-krankenhaus Havelhöhe
,
M. Pfeifer
7  Universität Regensburg
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Publication Date:
20 February 2018 (online)

Tabakentwöhnung – durchführbar und effektiv

Rauchen ist als wichtigster Risikofaktor für den größten Verlust an adjustierten (disability adjusted) Lebensjahren verantwortlich [1]. Dies gilt sowohl für Männer als auch für Frauen [2]. Ein Tabakkonsum besteht in Deutschland bei etwa 30 % der stationär behandelten Patienten. Die Tabakentwöhnung als wichtigste therapeutische Maßnahme trägt wesentlich zur Verbesserung der Symptomatik und Prognose von Patienten mit COPD, Asthma und interstitiellen Lungenerkrankungen bei. Entsprechendes gilt auch für kardiovaskuläre Erkrankungen und eine Vielzahl anderer Erkrankungen. Die Tabakentwöhnung ist die wichtigste therapeutische Einzelmaßnahme bei Patienten mit COPD [3] [4] und kardiovaskulären Erkrankungen [5] [6].

Während lediglich 3 – 7 % der Raucher ohne Unterstützung abstinent bleiben, werden die 1-Jahres-Abstinenzraten mit professioneller Behandlung auf bis zu 40 % erhöht [4]. Die Tabakentwöhnung hat starke positive Effekte auf Morbidität und Mortalität. Weiter verbessert die Tabakentwöhnung auch die Lebensqualität.

Angebote zur Tabakentwöhnung im Krankenhaus haben eine hohe Zielgruppenerreichung mit erhöhter Ausstiegsmotivation der rauchenden Patienten aufgrund des akuten Krankheitserlebens. Eine stationär begonnene Tabakentwöhnung ist wirksam [7]. Eine Nachbetreuung bzw. eine ambulante Anbindung ist sinnvoll und erhöht den Behandlungserfolg der Tabakentwöhnung. Die Einbindung von speziell ausgebildetem nicht ärztlichem Personal zur Tabakentwöhnung ist durch Metaanalysen abgesichert [8] und international etabliert. Eine effektive Maßnahme in der Tabakentwöhnung ist das Motivierende Interview [9]. Besonders wirksam ist das Motivierende Interview bei Durchführung durch einen Arzt (Relative Risiko – RR = 3,5).

Die Tabakentwöhnung ist eine der kosteneffektivsten medizinischen Maßnahmen, um qualitätsvolle Lebensjahre zu gewinnen [10] [11] [12] [13]. Mittel- und längerfristig lassen sich für die Krankenkassen und die Gesellschaft nachhaltige Kostenersparnisse realisieren [13] [14]. Die Tabakentwöhnung ist auch aus der Perspektive der gesamten Volkswirtschaft positiv zu bewerten (z. B. [15]). Trotzdem gibt es in Deutschland im Gegensatz zu anderen entwickelten Ländern eine besonders geringe Anzahl von tabakpräventiven Maßnahmen [16].