Fortschr Neurol Psychiatr 2018; 86(05): 261
DOI: 10.1055/s-0044-101099
Fokussiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Beta-Amyloid-Ablagerungen – schlechteres Gedächtnis

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Publikationsdatum:
29.Mai 2018 (online)

Welche Wirkung haben Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn Gesunder? Führen sie zu kognitiven Einschränkungen – und erklären sie womöglich den altersbedingten Gedächtnisverlust? Eine niederländische Studie hat alte Menschen mit und ohne kognitive Einschränkungen untersucht.

Ablagerungen von Beta-Amyloid im Gehirn sind typisch für die Alzheimer-Erkrankung; sie sind bereits zwei bis drei Jahrzehnte vor den ersten klinischen Symptomen nachweisbar. Aber auch 25 % der älteren Menschen ohne kognitive Probleme und 50 % jener mit leichten kognitiven Einschränkungen (mild cognitive impairment, MCI) haben Biomarker für Amyloid-Ablagerungen. Sie haben statistisch ein erhöhtes Risiko, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, aber die Bedeutung des Amyloids für ihre aktuellen kognitiven Fähigkeiten ist unklar.

Eine niederländische Querschnittstudie hat 2908 Menschen mit normalen kognitiven Fähigkeiten und 4133 mit leichten Einschränkungen (MCI) aus 53 Studien im Rahmen der Amyloid Biomarker Study auf einen Zusammenhang untersucht. Amyloid-Ansammlungen wurden über PET oder Liquor-Biomarker gemessen.

Mehr Amyloid, schlechteres Gedächtnis

Bei den geistig Fitten zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Amyloid und einem schlechteren Abschneiden bei Tests für das episodische Gedächtnis, wenn sie über 70 Jahre alt waren. Der Zusammenhang nahm mit steigendem Alter zu (durchschnittlicher Unterschied zwischen Amyloid-positiven und -negativen Teilnehmern im Alter von 72 Jahren 4 %, im Alter von 90 Jahren 21 %). Ob Ältere mehr Amyloid angehäuft haben und sich dessen Folgen deshalb eher klinisch bemerkbar machen, ob bei ihnen andere Erkrankungen vorliegen oder ob ältere Gehirne einfach anfälliger sind für die schädlichen Einflüsse des Amyloids, ist unbekannt. In der Mini-Mental State Examination (MMSE), einer umfassenderen Testung der kognitiven Fähigkeiten, ergab sich bei diesen Personen kein Unterschied.

Bei MCI-Patienten zeigten sich Unterschiede zwischen Amyloid-positiven und-negativen für beide Tests (Gedächtnis 16 %, MMSE 14 %). Der Zusammenhang nahm hier mit steigendem Alter ab – ein Hinweis darauf, dass im Lauf der Zeit noch andere Veränderungen die schlechteren kognitiven Leistungen mitverursachen.


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Bildung kaschiert die Wirkung

Der Zusammenhang zwischen Amyloid-Ablagerungen und schlechteren kognitiven Leistungen war unabhängig von Geschlecht, Bildungsniveau und APOE-Genotyp – die jedoch eigene Risikofaktoren darstellten. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein höheres Bildungsniveau die Wirkungen der Amyloid-Ablagerungen nicht aufhebt, sondern nur dessen klinische Manifestation hinauszögert.

Schlechtere Ergebnisse in Gedächtnistests können ein früher Hinweis auf Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sein. Der Zusammenhang ist allerdings nicht stark genug, um sie als Screeningmethode für Amyloid einzusetzen.

Fazit

Die Studie fand einen Zusammenhang zwischen Ablagerungen von Beta-Amyloid und schlechteren Gedächtnisleistungen. Bei geistig Fitten Testpersonen nahm der Zusammenhang mit steigendem Alter zu, bei Menschen mit MCI nahm er mit dem Alter ab. Bei Letzteren zeigte sich auch eine Verknüpfung mit den kognitiven Leistungen insgesamt.

Dr. Nina Drexelius, Hamburg


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