Fortschr Neurol Psychiatr 2019; 87(06): 364-371
DOI: 10.1055/s-0044-101034
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erfassung der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung mit dem revidierten Trauma Symptom Inventory (TSI-2)

Assessment of complex posttraumatic stress disorder with the revised Trauma Symptom Inventory (TSI-2)
Sandy Krammer
1  Forensisch-Psychiatrischer Dienst, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern, Schweiz
,
Martin grosse Holtforth
2  Psychologisches Institut, Universität Bern, Schweiz
3  Kompetenzzentrum für Psychosomatik, Inselspital Bern, Schweiz
,
Michael Soyka
4  Psychiatrische Klinik, Universität München, Deutschland
5  Medical Park Chiemseeblick, Bernau, Deutschland
,
Michael Liebrenz
1  Forensisch-Psychiatrischer Dienst, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern, Schweiz
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 12 September 2017

akzeptiert 12 January 2018

Publication Date:
13 July 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Theoretischer Hintergrund Diese Studie überprüfte die Anwendbarkeit des revidierten Trauma Symptom Inventory (TSI-2) als Diagnoseverfahren für die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS) nach der Betaversion des ICD-11. Bislang wurde dafür kein Verfahren etabliert.

Methode Auf Basis des TSI-2 wurde ein diagnostischer Algorithmus entwickelt. Dieser wurde in einer Stichprobe von 100 psychiatrisch hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit aversiven und/oder traumatischen Erfahrungen getestet. Es werden die Häufigkeit der KPTBS eingeschätzt, Geschlechts- und Altersunterschiede überprüft, sowie Gruppenunterschiede zwischen traumatisierten und nicht-traumatisierten Studienteilnehmern und solchen mit und ohne KPTBS berichtet.

Ergebnisse Nach dem hier angewandten TSI-2-Algorithmus für KTPSB lag die Häufigkeit bei 5%. Es wurden tendenzielle Geschlechtsunterschiede bezüglich der KPTBS-Symptomatik zum Nachteil der Frauen beobachtet und jüngere Patienten waren häufiger als ältere betroffen. Traumatisierte wiesen gegenüber nicht-traumatisierten Personen ein erhöhtes Ausmass an psychopathologischer Symptomatik auf.

Schlussfolgerung Diese Ergebnisse sind erste Hinweise dafür, dass es eventuell möglich ist einige Skalen des TSI-2 zu kombinieren und auf dieser Basis die wahrscheinliche Diagnose der KPTBS nach der Betaversion des ICD-11 zu stellen.

Abstract

Background This study tested whether it is possible to diagnose complex posttraumatic stress disorder (CPTSD) according to the beta version of ICD-11 by means of the Trauma Symptom Inventory 2 (TSI-2). Currently, there is no established measurement for this.

Methods An algorithm for the TSI-2 was developed. This was tested in a sample of 100 psychiatric patients, who had experienced aversive and/or traumatic events. The frequency of CPTSD and differences regarding gender, age and traumatic events will be reported.

Results On the basis of this TSI-2 algorithm, 5% of the sample were estimated to suffer from CPTSD. A trend towards more women being affected was observed, and younger patients were more affected than older ones. Traumatized individuals reported more mental health problems than non-traumatized ones.

Conclusion Tentatively, these results indicate that it may be possible to use a combination of certain scales of the TSI-2 to diagnose CPTSD in line with its current definition by the ICD-11.