Handchir Mikrochir Plast Chir 2019; 51(02): 80-85
DOI: 10.1055/s-0044-100613
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Enzymatisches Débridement zur Behandlung von Brandverletzungen: Erste Erfahrungen in der Schweiz

Burn wound treatment through enzymatic debridement: First experience in Switzerland
Rik Osinga
1  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Zentrum für Brandverletzte, UniversitätsSpital Zürich
3  Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, Universitätsspital Basel
,
Peter Steiger
2  Abteilung Chirurgische Intensivmedizin, Intensivstation für Brandverletzte, UniversitätsSpital Zürich
,
Pietro Giovanoli
1  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Zentrum für Brandverletzte, UniversitätsSpital Zürich
,
Jan A. Plock
1  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Zentrum für Brandverletzte, UniversitätsSpital Zürich
,
Lijo Mannil
1  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Zentrum für Brandverletzte, UniversitätsSpital Zürich
› Author Affiliations
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Publication History

20 August 2017

30 December 2017

Publication Date:
26 April 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Thermische Schädigungen sind häufige Verletzungen, welche in schweren Fällen mit erheblicher Morbidität und Mortalität einhergehen können. Der Goldstandard der chirurgischen Therapie besteht in der Entfernung des Eschars durch tangentiale Exzision und nachfolgender Wunddeckung mittels autologer Spalthaut. 2014 wurden klinische Resultate eines neuartigen enzymatischen Débridements auf Basis der Ananaspflanze (Nexobrid™, Hauptwirkstoff Bromelain) publiziert. Am Zentrum für Brandverletzte am UniversitätsSpital Zürich wurde das enzymatische Débridement 2016 eingeführt. Wir berichten hier über die ersten Erfahrungen und unsere Interpretationen.

Patienten und Methoden Die ersten 12 mit Nexobrid™ therapierten Patienten mit gemischt zweitgradiger, zweitgradig tiefer oder drittgradiger thermischer Schädigung wurden untersucht. Nicht in die Studie eingeschlossen wurden minderjährige Patienten und schwangere oder stillende Frauen. Nach dem sogenannten „Pre-soaking“ mit physiologischer Kochsalzlösung erfolgte das Auftragen des aus zwei Komponenten hergestellten Nexobrid™-Gels für 4 Stunden mit okklusiver Versiegelung. Nach Abtragung desselben wurde ein „Post-soaking“ mit Prontosan®-Verbänden durchgeführt, und nach weiteren 6–12 Stunden ein definitiver Wundverband aufgebracht.

Ergebnisse Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 51 (19–78) Jahre, die Hospitalisationsdauer 38 (1–92) Tage. Der Anteil geschädigter Körperoberfläche betrug durchschnittlich 25 (1–67) %. Es wurden im Mittel 11 (1–18) % der Körperoberfläche mit Nexobrid™ nach 7 (1–19) Tagen débridiert. Bei 8 Patienten heilten die Defekte nach Nexobrid™ Behandlung ohne wesentliche Narbenbildung per secundam ab. Bei 4 Patienten waren im Verlauf weitere chirurgische Maßnahmen notwendig, sowohl zur Vervollständigung des Débridements wie auch zur Defektdeckung. Die Methode war effizient in schwierigen Behandlungsarealen wie Rücken, Hände und Füße, wo der Erhalt der Demis zu einem guten funktionellen Resultat ohne narbige Kontrakturen führte.

Schlussfolgerung Die Behandlung mit Nexobrid™ stellt eine Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung teilweise zweitgradig tiefer thermischer Verletzungen mit guten Langzeitresultaten dar. Das Anbringen und Entfernen des Nexobrid™ kann in Analgosedation auf der Intensivstation durchgeführt werden. Die Behandlung mit Nexobrid™ reduziert den chirurgischen Anteil der Behandlung.

Abstract

Introduction Thermal injuries are frequent and can be associated with relevant morbidity and mortality in severe cases. Excisional debridement followed by autografting is the standard of care for deep burns, but is associated with serious potential complications. Clinical results of a novel enzymatic debridement based on Bromelain raw material extracted from the pineapple plant (Nexobrid™) were published in 2014. At the Center for Burns at the University Hospital Zürich enzymatic debridement was introduced in 2016. Our experience and interpretation of the first 12 cases are reported.

Patients and Methods Patients of at least 18 years of age with second and third degree burns were included in this study. Pregnant or breast feeding women were excluded. After so-called „pre-soaking“ with saline solution, the Nexobrid™ gel was applied for 4 hours with occlusive sealing. After abrasion of the debris, „post-soaking“ with Prontosan® followed and definite wound dressings were applied.

Results The mean age of the patients was 51 (19–78) years, the length of hospital stay was 38 (1–92) days. The amount of burns was 25 (1–67) % of the total body surface area (TBSA). On average, 11 (1–18) % of the TBSA was debrided with Nexobrid™ after 7 (1–19) days. In 8 patients, the defects completely healed without scarring after Nexobrid™ treatment. In 4 patients additional surgical measures were necessary to complete the debridement as well as to cover the defect. The treatment with Nexobrid™ was efficient in difficult treatment areas such as back, hands and feet, where preservation of the demis prevented joint contracture through scarring.

Conclusion Treatment with Nexobrid™ extends the armamentarium to treat partial second-degree thermal injuries with good long-term results. It can be applied in analgosedation in an intensive care setting and reduces the need for surgical treatment.