EHK 2018; 67(01): 2
DOI: 10.1055/s-0044-100140
Editorial
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„Darauf reagiere ich echt allergisch!“

Peter W. Gündling
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Publication Date:
27 February 2018 (online)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Leserinnen, liebe Leser,

auf was kann man nicht alles allergisch reagieren! Nicht nur auf Pollen, Katzenhaare und Hausstaubmilben, Kuhmilch und Penicillin. Nein auch auf Besserwisser, Briefe vom Finanzamt, Anfragen von Versicherungen und vieles mehr.

Doch Spaß beiseite: Allergien haben sich in unserem Leben wirklich breitgemacht. Während vor 50 Jahren eine Allergie (zumindest auf dem Dorf) noch eine echte Rarität war, waren es vor 30 Jahren bereits 10 % der Kinder in Deutschland, die an einer allergischen Erkrankung litten. Heute ist es etwa jedes dritte Kind. Und nicht nur Kinder, auch immer mehr Erwachsene klagen über Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien, allergische Hauterkrankungen oder gar asthmatische Beschwerden. Teilweise erstmals mit 40, 50 oder gar 60 Jahren, teilweise auch erneut nach einem jahrelangen beschwerdefreien Intervall.

Gibt man in Google das Schlagwort „Allergie“ ein, finden sich über 16 Millionen Einträge. Aus diesen erfährt der Leser z. B., dass der Europäischen Stiftung für Allergieforschung ECARF zufolge rund 25 Millionen Menschen in Deutschland eine Allergie haben. Auch das Deutsche Ärzteblatt hat sich am 30. Juni 2017 diesem Thema gewidmet und bekräftigt, dass die Anzahl der Menschen mit allergischen Erkrankungen in Deutschland deutlich ansteigt. Zudem sei ihre Versorgung nicht optimal. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) leiden 12,3 Millionen Menschen in Deutschland nach eigener Einschätzung an einer Allergie, 31,6 % der Frauen und 24,5 % der Männer. Mit einer Zwölf-Monats-Prävalenz von 29 % liegen Allergien bei uns deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 17 %. Von den Kindern und Jugendlichen leiden etwa 500 000 an Asthma, über eine Millionen an Heuschnupfen. Gleichzeitig halten die Experten die Hyposensibilisierung für problematisch. Sie dauere sehr lange, weshalb viele Patienten die Therapie abbrächen.

Theorien, warum wir so viele Allergiepatienten haben, gibt es viele: Zu kurze Stillzeiten der Kinder, Störungen des Immunsystems durch Impfungen – insbesondere die vielen im frühen Kindesalter –, Umweltweltbelastungen, übertriebene Hygiene usw. Ein wesentlicher ursächlicher Faktor scheint mir unsere unnatürliche Nahrung zu sein: Große Mengen pasteurisierter und homogenisierter Kuhmilch, übermäßige Zufuhr von Gluten infolge Neuzüchtungen vermehrt glutenhaltiger Getreidearten (nicht nur Weizen, auch Dinkel und Roggen), zu kurze Teiggehzeiten, aber auch eine Vielzahl von Nahrungsmittelzusatzstoffen (Konservierungsmittel, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Aromata etc.) stören und überfordern nicht nur direkt unsere Immunzellen, sie stören auch unser Mikrobiom und damit das darmassoziierte Immunsystem. Pestizide, Herbizide und Fungizide auf unserem – meist unreif geernteten – Obst und Gemüse tun ein Übriges.

Was Sie dagegen präventiv und therapeutisch tun können, erfahren Sie in diesem Heft. Beginnend von den immunologischen Störungen des Embryos im Mutterleib, über die Ernährung und mikrobiologische Therapie, bis hin zu energetischen und immunologischen regulierenden Therapien wie der Akupunktur und Eigenbluttherapie.

Alle diese Therapien gehen weit über die symptomorientierte, mastzellstabilisierende, antihistaminerge und antientzündliche Wirkung der Antihistaminika und Kortikoide hinaus. Deren Effekt endet, wenn ihre direkte Wirkung nachlässt.

Ich wünsche Ihnen wieder viel Freude und neue Erkenntnis!

Herzlichst Ihr

Peter W. Gündling