Adipositas - Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 2023; 17(03): 140
DOI: 10.1055/s-0043-1771560
Abstracts
Vorträge

Studienprotokoll der geplanten Familien-Basierte vs. Institutionelle Anorexia nervosa Therapie-(FIAT)-Studie

Authors

  • V. Haas

    1   Charité-Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Berlin
  • D. Le Grange

    2   University of California, Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, San Francisco
  • S. Ehrlich

    3   Carl-Gustav Carus Universität, Kinder und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Dresden
  • U. Voderholzer

    4   Schön-Klinik Roseneck, Prien am Chiemsee
    6   Universitätsklinik Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Freiburg
  • C. U. Correll

    1   Charité-Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Berlin
    5   Hofstra/Northwell, Donald and Barbara Zucker School of Medicine, New York
 

Einleitung Für Kinder und Jugendliche mit Anorexia nervosa (AN) gilt in England (NICE guidelines) und den USA (American Psychiatric Association) basierend auf Evidenz aus 9 RCTs die Familien-Basierte Therapie (FBT) bzw. Familientherapie für AN (FT-AN) als „first-line treatment“. Eine nicht-randomisierte Pilotstudie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin mit 62 schwer erkrankten Patient:innen mit AN und stationärer Behandlungsindikation gemäß S3-Leitlinie zeigte eine gleichwertige Verbesserung von Gewicht und AN-spezifischer Psychopathologie über einen Beobachtungszeitraum von 12 Monaten durch FBT versus einer zeitgleich mit stationärer, multimodaler Therapie (SMT) behandelten Kontrollgruppe bei Reduktion der Krankenhaustage (median, [Interquartilsrange], FBT=1 [0;78] vs. SMT=132 [105;169], p<0.001).

Studienziel: Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von FBT und SMT.

Methoden Multizentrische Nichtunterlegenheits-RCT in bundesweit 16 Kliniken bei 200 bei 9 Krankenkassen versicherten Patient:innen, Alter=8–17 Jahre, mit restriktiver oder binge-purge AN-Diagnose und S3-Leitlinienindikation zur stationären Behandlung. Patient:innen werden randomisiert zu entweder ca. 10 Monaten FBT, im telemedizinischen Stepped-Care Modell (bei ausbleibendem Therapieerfolg schrittweise Intensivierung und, als ultima ratio, Wechsel in die SMT) versus Regelversorgungs-SMT. Das medizinische Monitoring der ambulanten Studienteilnehmenden erfolgt in Präsenz. Primärer Endpunkt: Veränderung des prozentualen median BMI (Baseline bis 12 Monate); Sekundäre Endpunkte: AN-spezifische Psychopathologie, Bewegungszwang, Depression, Nebenwirkungen, Menstruationsstatus (bei Mädchen), Medikation, Veränderungsmotivation, Lebensqualität, emotionale und finanzielle Belastung der Sorgeberechtigten, Behandlungszufriedenheit sowie Behandlungskosten. Erhebungszeitpunkte: Baseline, Behandlungsende, 6 und 12 Monate nach Baseline. In beiden Studienarmen erhalten die Patient:innen nach der Studienintervention bei Bedarf Nachsorge in der Regelversorgung.

Schlussfolgerung Wenn das RCT die Nichtunterlegenheit von FBT vs. SMT bestätigt, sollte FBT als erstattungsfähiges Richtlinienverfahren in die deutschen S3-Leitlinien aufgenommen werden.



Publication History

Article published online:
06 September 2023

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