Gesundheitswesen 2023; 85(08/09): 778-779
DOI: 10.1055/s-0043-1770490
Abstracts
Vorträge
Lehre, Aus-/Fort- und Weiterbildung

„Sucht im Alter“ – Gesundheitssurvey Bayern 65+ÖGD und Public Health

Manuel Fenkl
1   Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, GP 1.2 – Gesundheitsberichterstattung, Sozialmedizin, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Oberschleißheim, Deutschland
,
Stefan Loos
2   IGES Institut GmbH, Berlin, Deutschland
,
Joseph Kuhn
3   Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, GP 1.2 – Gesundheitsberichterstattung, Sozialmedizin, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Oberschleißheim, Deutschland
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Einleitung Es gibt in Deutschland bisher kaum repräsentative Daten zum Suchtmittelkonsum der älteren Bevölkerung (ab 65 Jahren) und den gesundheitlichen Folgen. Mit dem Survey „Sucht 65+“ soll für Bayern diese Datenlücke geschlossen werden.

Methoden Für den Survey wurde ein Fragebogen auf der Basis etablierter Instrumente entwickelt. Die Erhebung fand als Telefonbefragung statt (Festnetz und Mobil). Dazu wurden 4.115 Personen in Bayern im Alter ab 65 Jahren befragt.

Ergebnisse Gut 11 % haben einen riskanten Alkoholkonsum (nach Audit-C). Erhöhter Alkoholkonsum (viermal und öfter pro Woche) ist am häufigsten bei Personen mit (sehr) schlechtem psychischen Wohlbefinden zu finden. Etwa 13 % der Personen in Bayern ab 65 Jahren sind Raucher. 42 % der Raucher geben an zu rauchen, weil es ihnen schwerfällt auf das Rauchen zu verzichten. Ein erheblicher Anteil der Älteren nimmt Schmerzmittel mit Suchtpotential. 12 % der Konsumierenden von nicht-opioiden Schmerzmittel gaben an, Angst vor einer Abhängigkeit zu haben. 19 % der Konsumenten opioider Schmerzmittel haben diese bereits öfter als einmal aus anderen Gründen als zur Schmerzlinderung genommen. Die Pandemie hatte je nach Substanz unterschiedliche Folgen für den Suchtmittelkonsum.

Schlussfolgerung Suchtmittelkonsum, vor allem Alkohol und Rauchen, sowie Medikamentenmissbrauch spielen auch im Alter eine große Rolle. Interventionen können bereits im Erwerbsleben ansetzen, etwa in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Sinnvoll könnte auch eine verstärkte Einbindung der hausärztlichen Versorgung in Prävention und frühzeitige Therapie sein.



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Article published online:
22 August 2023

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