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DOI: 10.1055/s-0043-1768096
Mangelernährung trotz Adipositas – eine nutritionDay Analyse bei europäischen Pflegeheimbewohnern
Die Adipositasprävalenz nimmt auch bei Pflegeheimbewohnern zu. Adipositas schließt Mangelernährung nicht aus, diesbezüglich ist jedoch noch wenig bekannt. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Prävalenz von Mangelernährung (subjektiv und objektiv) bei europäischen Pflegeheimbewohner mit Adipositas zu analysieren.
Methodik Europäische Teilnehmer des nutritionDay in Pflegeheimen 2016-2021, ≥65 Jahre, Body-Mass-Index (BMI) ≥30,0 kg/m2 wurden eingeschlossen und in die Adipositasklassen I (30,0-34,9 kg/m2), II (35,0-39,9 kg/m2) und III (≥40,0 kg/m2) eingeteilt. Mangelernährung wurde subjektiv anhand der Pflegeeinschätzung des Ernährungszustandes (ja, Risiko für Mangelernährung, nein) und objektiv mit der Kurzform des Mini Nutritional Assessment (MNA) ®, konstruiert aus Einzelfragen im nutritionDay-Fragebogen, erfasst. Die Daten wurden deskriptiv für die Gesamtgruppe und die Adipositasklassen analysiert.
Ergebnisse und Diskussion 2004 Bewohner aus 11 Ländern (75,5% weiblich, Durchschnittsalter 83,8 ± 7,9 Jahre waren von Adipositas betroffen (73,3% Klasse I, 20,7% Klasse II, 6,0% Klasse III). Laut MNA waren 5,2% mangelernährt und 41,2% hatten ein Risiko. Laut Pflegeeinschätzung waren 1,4% mangelernährt und 7,8% hatten ein Risiko. Während objektiv Mangelernährung und Risiko für Mangelernährung in allen Klassen ähnlich häufig waren, nahmen die Prävalenzen subjektiver Mangelernährung und Risikoeinschätzung mit zunehmender Adipositas ab ([Tab. 1]). Die häufigsten Risikofaktoren laut MNA-Einzel-Items waren Immobilität (27,1%) bzw. eingeschränkte Mobilität (32,5%), schwere neuropsychologische Probleme (23,9%) bzw. leichte Demenz (31,4%) und akute Krankheit / psychischer Stress in den letzten 3 Monaten (19,1%). Ein Gewichtsverlust >3 kg (5,8%) und starke (1,3%) bzw. leichte (9,6%) Abnahme der Nahrungsaufnahme in den letzten 3 Monaten waren seltener. Ein Gewichtsverlust >3kg wurde mit zunehmender Adipositas häufiger, schwere neuropsychologische Probleme dagegen seltener ([Tab. 1]).
Klasse I (30,0-34,9 kg/m2) n=1469 |
Klasse II (35,0-39,9 kg/m2) n=415 |
Klasse III (≥40,0 kg/m2) n=120 |
|
---|---|---|---|
% |
% |
% |
|
Ernährungszustand nach Pflegeeinschätzung |
|||
Mangelernährung |
1,6 |
1,2 |
0,0 |
Risiko für Mangelernährung |
8,2 |
7,2 |
4,2 |
MNA-Kurzform |
|||
Mangelernährung |
5,1 |
6,0 |
4,2 |
Risiko für Mangelernähurng |
41,6 |
40,5 |
39,2 |
Abnahme der Nahrungsaufnahme |
|||
starke Abnahme |
1,3 |
1,2 |
1,7 |
leichte Abnahme |
9,7 |
9,4 |
9,2 |
Gewichtsverlust in den letzten 3 Monaten |
|||
Gewichtsverlust > 3 kg |
5,0 |
7,0 |
10,8 |
Mobilität |
|||
bettlägerig/ im Stuhl mobilisiert |
26,8 |
28,4 |
27,5 |
im Wohnbereich mobil |
33,1 |
30,1 |
34,2 |
Akute Krankheit oder psychischer Stress während der letzten 3 Monate? |
|||
ja |
19,0 |
19,8 |
17,5 |
Neuropsychologische Probleme |
|||
schwere Demenz oder Depression |
26,0 |
19,8 |
11,7 |
leichte Demenz |
31,1 |
31,8 |
33,3 |
Abkürzung: Mini Nutritional Assessment (MNA).
Schlussfolgerung Mangelernährung und ein Risiko für Mangelernährung wurden in allen Adipositasklassen festgestellt. Die Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Mangelernährung und die geringere Wahrnehmung der Problematik bei schwerer Adipositas zeigt, dass das Bewusstsein dafür häufig noch fehlt. Pflegekräfte sollten diesbezüglich geschult werden, um betroffene und gefährdete Personen auch in dieser Bevölkerungsgruppe frühzeitig zu erkennen.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
26. Mai 2023
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