Klin Padiatr 2023; 235(02): 115
DOI: 10.1055/s-0043-1761531
Abstracts | GPP
17. März 2023
V-01 | Freie Vorträge/Postervorträge
V-01c | Infektiologie
8:30 – 10:00 SH 0.101

Tuberkulöse Lymphadenitis – ein langer Weg bis zur Diagnose und Therapie

Autor*innen

  • Veronika Barbara Fajgelj

  • Matthias Bogyi

  • Florian Götzinger

  • Katharina Kainz

  • Michael Langthaler

  • Andreas Wasserer

  • Angela Zacharasiewicz

 

Hintergrund Die Tuberkulose der peripheren Lymphknoten stellt die häufigste extrathorakale Tuberkulose-Manifestation bei Kindern dar und betrifft vor allem die cervikalen Lymphknoten1. Im Nationalen Referenzzentrum für Kindertuberkulose, Klinik Ottakring, wurden in den Jahren 2015-2021 insgesamt 193 Patienten mit aktiver Tuberkulose stationär behandelt. Von diesen handelte es sich in 6 Fällen um eine Tuberkulose peripherer Lymphknoten. Im klinischen Alltag kann die Unterscheidung von anderen Ursachen (u.a. Infektionen mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien oder Bartonella spp.) eine Herausforderung darstellen2. Die mikrobiologische Bestätigung erfolgt mittels PCR sowie kulturellem Nachweis aus dem betroffenen Gewebe1.

Fallbericht Fallvorstellung einer Patientin mit cervikaler Lymphadenitis, die 2021 im Alter von 5 Jahren erstmals an unserer Abteilung vorstellig wurde. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Symptomatik bereits seit 8 Monaten. Aufgrund eines serologischen Befundes mit einem IgG-Titer von 1:1000 war bis dahin Bartonella henselae als Ursache angenommen worden, mehrfache antibiotische Therapieversuche (Amoxicillin/Clavulansäure, Clindamycin, Azithromycin sowie Clarithromycin+Rifampicin) waren jedoch erfolglos geblieben. Im Verlauf war es zu einer Einschmelzung des Lymphknotens gekommen und der Abszess inzidiert worden, wobei die herkömmliche bakterielle Kultur kein Wachstum ergeben hatte. Es bestand kein bekannter Tuberkulose-Kontakt. An unserer Klinik zeigten sich im Rahmen einer erweiterten Abklärung bei unauffälligem Lungenröntgen der Tuberkulin-Hauttest und der Interferon-Gamma-Release-Assay positiv. Die Gewebsaufarbeitung mittels PCR und Kultur bestätigte die Diagnose der Lymphknoten-Tuberkulose. Zusätzlich zeigte sich auch die Sputum-Kultur positiv auf Mycobacterium tuberculosis. Daher wurde eine antituberkulotische Chemotherapie (Isoniazid+Rifampicin+Pyrazinamid+Ethambutol) etabliert.

Schlussfolgerung Dieser Fall hebt einerseits die Bedeutung der Tuberkulose als mögliche Differentialdiagnose bei peripherer Lymphadenitis – auch bei fehlenden Risikofaktoren – hervor und unterstreicht zudem die Wichtigkeit der Gewinnung von Lymphknotengewebe bei protrahiertem klinischem Verlauf.

Quellen 1 S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Prävention und Therapie der Tuberkulose im Kindes- und Jugendalter, PMID 29017219

2 Nontuberculous mycobacterial disease in childhood – update on diagnostic approaches and treatment, PMID 28646953



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
09. März 2023

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