Frauenheilkunde up2date 2017; 11(06): 545-555
DOI: 10.1055/s-0043-125109
Interdisziplinäre Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie

Sören Wagner
,
Andreas Walther
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Publication Date:
05 March 2018 (online)

Neue Erkenntnisse und neu zugelassene Präparate zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie mündeten in eine aktualisierte S3-Leitlinie. Diese berücksichtigt unter anderem therapierelevante Risikofaktoren, empfehlenswerte und sich ggf. ergänzende Prophylaxemethoden, die erforderliche Aufklärung sowie mögliche Komplikationen und deren Management.

Kernaussagen
  • Risikoabschätzung: Aus expositionellen und dispositionellen Risikofaktoren eines Patienten setzt sich dessen jeweiliges Gesamtrisiko für eine venöse Thromboembolie zusammen. Kombinationen beider Risikoanteile resultieren dabei zum Teil in einer erheblichen Risikosteigerung. Es erfolgt eine Einteilung in drei Risikogruppen (niedrig, mittel und hoch). Art und Umfang der VTE-Prophylaxe sollen sich nach der Einteilung in diese Risikogruppen und nach Kontraindikationen richten.

  • VTE-Prophylaxe: In Abhängigkeit von der Risikostratifizierung kommen Basismaßnahmen (Frühmobilisation, Bewegungsübungen, Anleitung zu Eigenübungen), physikalische Maßnahmen (z. B. medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe [MTPS], intermittierende pneumatische Kompression [IPK]) und medikamentöse Maßnahmen zur Anwendung.

  • Medikamentöse Prophylaxe: Die aktuelle Leitlinie enthält auch Empfehlungen zu den neuen oralen nicht-Vitamin-K-abhängigen Antikoagulanzien. Sie erweisen sich einer klassischen Heparintherapie gegenüber als ebenbürtig.

  • Heparininduzierte Thrombozytopenie: Regelmäßige Kontrollen der Thrombozytenzahl sollten bei der Anwendung von unfraktioniertem Heparin erfolgen. Diese Kontrolle kann in der Regel bei einer Behandlung mit niedermolekularem Heparin entfallen.

  • Dauer der medikamentösen Prophylaxe: Es liegen keine definitiven Daten zur Dauer der medikamentösen Thromboembolie-Prophylaxe vor. Die Dauer der medikamentösen VTE-Prophylaxe soll sich am Fortbestehen relevanter Risikofaktoren für venöse Thromboembolien orientieren.

  • Aufklärungspflicht: Über die Durchführung einer medikamentösen VTE-Prophylaxe muss vor dem Beginn ausführlich in einem persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch aufgeklärt und dies schriftlich dokumentiert werden.