Z Orthop Unfall 2018; 156(02): 152-159
DOI: 10.1055/s-0043-124377
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Anwendung von Bioglas S53P4 als Knochenersatzmaterial bei chronischer Osteomyelitis und Infektpseudarthrosen – eine retrospektive Auswertung von 50 Patienten

Article in several languages: English | deutsch
Tarek Al Malat
1  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, BG Klinikum Duisburg
,
Martin Glombitza
1  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, BG Klinikum Duisburg
,
Janosch Dahmen
1  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, BG Klinikum Duisburg
2  Department für Humanmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten
,
Peter-Michael Hax
1  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, BG Klinikum Duisburg
,
Eva Steinhausen
1  Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, BG Klinikum Duisburg
2  Department für Humanmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten
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Publication History

Publication Date:
17 April 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Behandlung der chronischen Osteomyelitis (COM) ist komplex. Häufig entstehen große knöcherne Defekte. Für eine erfolgreiche Behandlung sind Totraummanagement und adäquate Defektauffüllung essenziell. Bioglas S53P4 ist ein anorganisches Knochenersatzmaterial, das nicht antibiotikavermittelte antibakterielle, osteokonduktive, osteostimulative und angiogene Eigenschaften besitzt. Ziel unserer Studie war es, das Outcome von Patienten mit COM und Infektpseudarthrosen zu analysieren, bei denen knöcherne Defekte mit Bioglas S53P4 aufgefüllt wurden.

Material und Methode Wir analysierten von Juli 2013 bis Februar 2016 retrospektiv alle Patienten mit COM und Infektpseudarthrosen, die im genannten Zeitraum eine Defektauffüllung mit Bioglas S53P4 erhalten haben. Ausgewertet wurden epidemiologische Daten, prä-, peri- und postoperativer Verlauf. Primärer Endpunkt war die erfolgreiche Infektberuhigung während des Follow-ups. Sekundäre Endpunkte waren das Fehlen Bioglas-assoziierter Komplikationen, das Zeitintervall bis zum Erreichen der Vollbelastung sowie bis zur knöchernen Konsolidierung. Röntgenkontrollen wurden routinemäßig 1, 3 – 4, 6 und 12 Monate postoperativ durchgeführt.

Ergebnisse 50 Patienten wurden analysiert. Am häufigsten wurde Staphylococcus aureus als Erreger nachgewiesen. Zur Defektauffüllung wurden durchschnittlich 11,1 ± 6,7 cm3 Bioglas eingebracht. Die Patienten wurden durchschnittlich 12,3 Monate nachbeobachtet. Nach 6 Monaten waren 26 von 37 (70,3%) und nach 12 Monaten 35 von 42 (83,3%) der aufgefüllten Defekte knöchern konsolidiert. Radiologisch imponierte eine verdickte „Neokortikalis“. Bisher erreichten 40 Patienten (80%) nach Defektauffüllung mit Bioglas die Vollbelastung nach durchschnittlich 4 Monaten. Bei 38 von 50 Operationen (76%) gab es keine Komplikationen. Bei 7 Patienten kam es zu einer Infektreexazerbation. Bioglas-assoziierte Komplikationen wurden bei keinem Patienten beobachtet.

Schlussfolgerung Die Anwendung von Bioglas S53P4 bei Patienten mit COM und Infektpseudarthrosen ist vielversprechend. Ein radikales Débridement sowie eine vollständige Defektauffüllung sind Voraussetzung. Die Verträglichkeit ist exzellent. Radiologisch imponiert eine verdickte Kortikalis. Im Vergleich zu anderen Knochenersatzmaterialien ist der nicht antibiotikavermittelte antibakterielle Effekt von Vorteil. Weitere Studien mit höherem Evidenzlevel und längerem Follow-up werden benötigt.

Registrierung der Studie: TRN DRKS00011679