Frauenheilkunde up2date 2017; 11(05): 447-457
DOI: 10.1055/s-0043-123868
Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Drogenabusus in der Schwangerschaft – Risiko für das Kind

Eva Robel-Tillig
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Publication Date:
05 January 2018 (online)

Drogensucht in der Schwangerschaft stellt ein schwerwiegendes Problem dar – sowohl für die werdende Mutter und das ungeborene Kind als auch für die Umgebung der Eltern. Dieser Beitrag geht insbesondere auf Opiat/Opioid- und Methamphetamin-Abusus in der Schwangerschaft ein: auf die jeweilige Symptomatik, die Therapie und die langfristigen Folgen für das Kind und die Eltern.

Kernaussagen
  • Drogensucht ist in den Industrieländern ein Problem, das jede soziale Schicht, beide Geschlechter und jede Altersklasse betrifft.

  • Mütterliche Drogensucht in der Schwangerschaft hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit und das Leben von Mutter und Kind.

  • Besteht in der Schwangerschaft der Verdacht auf den Gebrauch illegaler Drogen der werdenden Mutter, ist ein klares, strukturiertes Vorgehen erforderlich. Dazu gehören die umfassende Aufklärung und Beratung sowie Begleitung im weiteren Schwangerschaftsverlauf (Drogenberatungsstellen, Sozialarbeiter etc.).

  • Das neonatale Abstinenzsyndrom nach Opiat-Abusus der Mutter umfasst extreme Unruhe bis zu Krampfanfällen und gastrointestinale Symptome. Unbehandelt kann es zum Tod führen.

  • Die Therapie erfolgt mit Morphinlösung und bei Krampfanfällen zusätzlich mit Phenobarbital. Wichtig ist eine möglichst reizarme Umgebung des Kindes.

  • Bei der Entzugssymptomatik der Neugeborenen nach Methamphetamin-Abusus der Mutter ist eine Substitutionsbehandlung nicht möglich. Die symptomatische Therapie richtet sich nach der individuellen Problematik, z. B. Atemnot, Krampfneigung, gestörte Nahrungstoleranz.

  • Langfristige Nachuntersuchungen von Kindern nach pränatalem Methamphetamin-Abusus zeigten Störungen in der psychosozialen Interaktion und Verhaltensauffälligkeiten.

  • Die Entwicklung von Handlungskonzepten – ausgestattet mit ausreichenden personellen und organisatorischen Mitteln – zur grundlegenden Hilfe für die Kinder und ihre Familien ist dringend erforderlich.