Klin Monatsbl Augenheilkd 2017; 234(12): e43-e55
DOI: 10.1055/s-0043-120095
CME-Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Pseudophake additive Intraokularlinsen

Pseudophacic additive lenses
Fritz H. Hengerer
,
Ina Conrad-Hengerer
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Publication Date:
20 November 2017 (online)

Zusammenfassung

Der Artikel gibt einen Überblick über die derzeit verfügbaren Implantate der Add-on-Intraokularlinsen und deren Indikationen. Auch abseits der rein refraktiven Korrekturlinsen werden Linsensysteme für Patienten mit Makulaerkrankungen vorgestellt. Darüber hinaus geht der Beitrag auf die besonderen Komplikationsmöglichkeiten der verschiedenen Techniken und Materialien ein.

Abstract

Implantation of artificial intraocular lenses (IOL) after cataract removal today represents the standard of care in the field of anterior segment surgery. In refractive lens exchange cases the natural lens is replaced by an IOL to correct different types of refractive situations. In the majority of the operations the refractive result is satisfying with only few deviations from target refraction.

But daily practice reveals some outliers from the intended corrections with the need for further refractive enhancements, respectively. Especially odd eyes with short or long axial length, corneal astigmatism, ceratoconus or after corneal laser vision correction are more or less candidates for refractive surprises. Laser corneal surgery and additional intraocular implants are both established surgical approaches to achieve this goal in pseudophacic eyes. In paediatric cataract surgery for congenital cataracts implantation of add-on lenses can be helpful to adjust refraction according to eyeball development and prevent amblyopia.

This article presents an overview about currently available implants and techniques using additional lenses to correct residual refractive errors. Furthermore, new implants for special indications like macular degeneration are addressed. A thorough evaluation of risk and benefit for each patient group and materials used are provided.

Kernaussagen
  • Add-on-Linsensysteme bieten heutzutage eine ideale Möglichkeit für postoperative Korrekturmaßnahmen bei pseudophaken Augen.

  • Neben der Implantation bei refraktiven Überraschungen können sphärische und torische Fehlsichtigkeiten individuell ausgeglichen werden.

  • Selbst der Wunsch nach Brillenunabhängigkeit kann mit den verfügbaren multifokalen Optiken bei vielen Patienten erfüllt werden.

  • Bei allen Implantaten ist die grundsätzliche Reversibilität der optischen Komponente oder die Möglichkeit des Austausches gegeben. Dies gilt vor allem bei temporären Gegebenheiten im Zuge der Therapie bei angeborener Katarakt oder Augen mit Silikonöltamponade.

  • Astigmatische Korrekturen nach perforierender Keratoplastik können mit diesen Implantaten nach einer weiteren Hornhautverpflanzung unkompliziert getauscht werden, oder es kann eine Rotation in die neue Korrekturachse durchgeführt werden.

  • Spezielle Implantate mit hoher Vergrößerung leisten bei Patienten mit Makulaerkrankungen einen wesentlichen Beitrag zur visuellen Rehabilitation.

  • Besondere Aufmerksamkeit ist bei all diesen Implantaten sowohl der individuellen Anatomie des Vorderabschnittes als auch der Kalkulation des Implantatdurchmessers zu widmen.

  • Endothelzellzahl und Vorderkammertiefe sowie der Sulcus-zu-Sulcus-Abstand sind wesentliche Parameter neben der Pupillenweite, um eine erfolgreiche Platzierung und dauerhafte Stabilität des Implantates zu gewährleisten.

  • Die Komplikationen umfassen teils einfach zu handhabende Maßnahmen, aber auch Notfallsituationen, die eine umgehende operative Intervention bis hin zum Austausch des Linsensystems erforderlich werden lassen können.

  • Die genaue Kenntnis der verfügbaren Implantate und deren Komplikationsmöglichkeiten sind von wesentlicher Bedeutung für eine erfolgreiche Anwendung dieser Linsentechnologie.