Notfallmedizin up2date 2018; 13(01): 14-18
DOI: 10.1055/s-0043-119483
Schritt für Schritt
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Intranasale Medikamentenapplikation – Schritt für Schritt

Felix F. Girrbach
,
Niels Hammer
,
Michael Bernhard
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Publication History

Publication Date:
24 April 2018 (online)

Einleitung

Die zeitnahe Etablierung eines intravenösen (i. v.) Gefäßzugangs kann sich in der Notfallmedizin gelegentlich auch für den Geübten als schwierig oder gar unmöglich erweisen. Dies betrifft insbesondere Kinder, da hier in der Notfallsituation mehrere Faktoren die Anlage eines i. v. Zugangs erschweren: Kindern erschließt sich oft nicht der Sinn dieser schmerzhaften Maßnahme. Außerdem besteht schmerz- und angstbedingt regelhaft eine ausgeprägte Agitation und im Gegensatz zur elektiven Narkoseeinleitung sind die Kinder nicht prämediziert. Aber auch bei Erwachsenen kann die periphere Venenpunktion eine deutliche Herausforderung darstellen, beispielsweise nach langjährigem i. v. Drogenabusus, ausgeprägter Adipositas oder beim akut psychotischen und agitierten Patienten. Vom Rettungsdienstfachpersonal ist in diesen Fällen ein zielstrebiges Vorgehen gefragt. Hier sind alternative Verfahren der Medikamentenapplikation eine wertvolle Hilfe. Da bei vielen Notärzten Vorbehalte gegenüber des intraossären Zugangs als Alternative zum intravenösen Zugang aufgrund dessen Invasivität bestehen [1], kann die intranasale Medikamentenapplikation eine attraktive Alternative darstellen. Vorteile der intranasalen Medikamentenapplikation sind neben der geringen Invasivität eine häufig tolerable Anschlagszeit der applizierten Medikamente von ca. 5 – 10 min, eine weitgehende Umgehung des hepatischen First-Pass-Metabolismus und eine hohe Bioverfügbarkeit. Daneben ist im Vergleich zur rektalen Gabe eine genauere Dosistitration möglich. Bei potenziell infektiösen Patienten entfällt außerdem das Nadelstichrisiko für das medizinische Personal. Die intranasale Medikamentenapplikation eignet sich sowohl als alleiniges Verfahren – beispielsweise zur Analgesie bei kleineren Frakturen ohne relevante Volumenverluste – als auch zur primären Sedierung bzw. Analgosedierung, um die daraufhin folgende Anlage eines venösen Zugangs zu vereinfachen.