Notf.med. up2date 2018; 13(03): 271-289
DOI: 10.1055/s-0043-119448
Allgemeine und organisatorische Aspekte
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ersteinschätzung in der Zentralen Notaufnahme

Ingo Gräff
,
Procula Glien
,
Bernd von Contzen
,
Michael Bernhard
Further Information

Publication History

Publication Date:
23 October 2018 (online)

Zentrale Notaufnahmen entwickeln sich mehr und mehr zur primären Anlaufstelle für Patienten jeglicher Art und mit Erkrankungen unterschiedlichster Schweregrade. Pflegegestützte Ersteinschätzungssysteme helfen, unter diesen Patienten kritisch Kranke frühzeitig und sicher zu erkennen, um sie prioritätenorientiert versorgen zu können.

Kernaussagen
  • Pflegegestützte Ersteinschätzungssysteme sind ein unverzichtbares Instrument an der Prozessspitze der Notfallversorgung in Zentralen Notaufnahmen.

  • Manchester Triage System (MTS) und Emergency Severity Index (ESI) sind für deutsche Notaufnahmen die am besten evaluierten Systeme. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann kein System als zu bevorzugendes System klassifiziert werden.

  • Seitens der Krankenhausleitung muss ausreichend Personal zur Verfügung gestellt werden, sodass gerade in sog. Overcrowding-Situationen gewährleistet ist, dass über 24/7 eine Ersteinschätzung unmittelbar nach Eintreffen des Notfallpatienten stattfindet. Der G-BA hat hierzu als Qualitätsindikator eine sog. „Prä-Triagezeit“ von max. 10 Minuten festgelegt.

  • Mit der Anwendung von Ersteinschätzungssystemen ist zwingend die regelmäßige Überprüfung der Anwendung verknüpft.

  • In einem intensiven Feedbackmechanismus muss zudem die Qualität der Ersteinschätzung erfasst, wissenschaftlich evaluiert und weiter optimiert werden. Hierzu bedarf es Studien, die gezielt das Verbesserungspotenzial der Ersteinschätzungssysteme hinsichtlich ihrer symptomorientierten Ausrichtung verbessern.