Notf.med. up2date 2018; 13(03): 295-311
DOI: 10.1055/s-0043-119170
Allgemeine und organisatorische Aspekte
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reanimation bei traumatisch bedingtem Herz-Kreislauf-Stillstand

Philip-Christian Nolte
,
Matthias Münzberg
,
Susanne Frankenhauser
,
Johannes Horter
,
Bernhard Gliwitzky
,
Andreas Gather
Further Information

Publication History

Publication Date:
23 October 2018 (online)

Die Reanimation beim traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstand (traumatic cardiac Arrest, TCA) galt lange als infaust. Die aktuelle Literatur zeigt jedoch, dass es Überlebende mit gutem neurologischem Outcome gibt. Der TCA unterscheidet sich dabei – in Entstehung und Behandlung – deutlich vom Herz-Kreislauf-Stillstand anderer Ätiologie. Ziel dieses Artikels ist es, die Vorgehensweise beim TCA anhand des ERC-Algorithmus praxisorientiert aufzuarbeiten.

Kernaussagen
  • Die Überlebenswahrscheinlichkeit und das neurologische Outcome des traumatisch bedingten Herz-Kreislauf-Stillstands (TCA) sind besser als angenommen.

  • Die Diagnose des TCA unterscheidet sich nicht von der eines Herz-Kreislauf-Stillstands anderer Ätiologie: Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder Schnappatmung.

  • Bei der Diagnosestellung sollte immer auch die Möglichkeit des Vorliegens eines nichttraumatischen Herz-Kreislauf-Stillstands bedacht werden

  • Die 4 häufigsten zum TCA führenden Ursachen sind

    • Hämorrhagie,

    • Spannungspneumothorax,

    • Hypoxie/Asphyxie und

    • Herzbeuteltamponade.

  • Die Therapie des TCA beruht auf der verzögerungsfreien Diagnose und Therapie reversibler Ursachen.

  • Thoraxkompressionen dürfen die Behandlung der reversiblen Ursachen nicht verzögern.

  • Der 2015 publizierte Algorithmus des ERC zur Behandlung des TCA bietet eine hervorragende Struktur zur Behandlung von Patienten mit TCA.

  • Entsprechend der Relevanz der Hämorrhagie beim TCA müssen massive Blutungen noch vor weiteren Maßnahmen zum Stillstand gebracht werden – „treat first what kills first“.

  • Die Notfallthorakotomie ist bereits präklinisch zur Therapie einer möglichen Herzbeuteltamponade indiziert, wenn die „4 Es“ (elapsed Time, Expertise, Equipment, Environment) vorliegen.