Krankenhaushygiene up2date 2018; 13(02): 163-177
DOI: 10.1055/s-0043-118466
Organisation, Recht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

MRSA-Screening und -Dekolonisierung – Vergütungsregelungen im ambulanten Bereich: eine kritische Bilanz

Lutz Bader
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Publication Date:
29 June 2018 (online)

Patienten mit Besiedelung oder Infektion durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind auch im ambulanten Bereich medizinisch zu versorgen: in Praxen, stationären Pflegeeinrichtungen oder zu Hause. Seit 2012 gibt es Regelungen für Vertragsarztleistungen zu MRSA-Screening und -Dekolonisierung bei gesetzlich Krankenversicherten – jedoch nur poststationär nach einem mehrtägigen Klinikaufenthalt. Reicht das? Was ist zu verbessern?

Kernaussagen
  • Ziel eines patientenorientierten Managements ist die Prävention der MRSA-Infektion und der MRSA-Übertragung. Gute sektorenübergreifende Kooperation ist dafür anzustreben.

  • Niedergelassene Haus- und Fachärzte mit der MRSA-Genehmigung der KV übernehmen wichtige Aufgaben für die wirksame Bekämpfung der MRSA-Problematik in Deutschland.

  • Die bestehenden Regelungen zu vertragsärztlichen Leistungen bei MRSA-Screening und -Dekolonisierung von gesetzlich Krankenversicherten weisen Schwachpunkte auf und sind nachzubessern, um die Versorgung der betroffenen Patienten optimal zu gestalten.

  • Insbesondere vor einer zeitlich planbaren Aufnahme in ein Krankenhaus – z. B. für eine invasive diagnostische Maßnahme oder Operation – sollte der Vertragsarzt bei MRSA-Risikopatienten das Screening und bei Bedarf die Dekolonisierung durchführen können. Der Vertragsarzt sollte dies vergütet bekommen, formal geregelt ggf. als Auftrag der betreffenden Klinik.

  • Aber auch vor elektiven ambulanten Eingriffen sind Patienten mit MRSA-Risikoprofil zu screenen und ggf. einer Sanierungsbehandlung zu unterziehen, um MRSA-Infektionen zu vermeiden. Auch diese vertragsärztlichen Leistungen sollten zukünftig vergütet werden.

  • Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Ärzte hin zu einem umfassenden MRSA-Management im Sinne von „search, destroy and follow“ zu verbessern. Vertragsärzte sind dabei nicht nur wie bisher in das poststationäre Verfahren einzubinden, sondern auch in das prästationäre und vor allem präoperative Vorgehen.

  • Der Bundesgesetzgeber und die Krankenkassen werden aufgefordert, im Bereich MRSA sektorenübergreifende Versorgungsregelungen mit mehr Einbeziehung der Vertragsärzte zu schaffen – auch als Modell zur Bekämpfung der Probleme durch andere MRE.