Fortschr Neurol Psychiatr 2017; 85(09): 515
DOI: 10.1055/s-0043-117292
Editorial
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sind Ansätze zur Verbesserung der Gehirnplastizität bei schizophrenen Psychosen theoretisch fundiert?

Is the theoretical support for the improvement of brain plasiticity in schizophrenic psychoses adequate?Peter Falkai
  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Klinikum der Universität München
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Publication Date:
07 September 2017 (online)

Seit Beginn der Beschreibung der Demetia Praecox (später Schizophrenie) Ende des 19. Jahrhunderts hat diese das Interesse neurobiologisch orientierter Forscher auf sich gezogen. Von jeher stand die Frage im Raum, ob dieser Erkrankungsgruppe nicht hirnstrukturelle Veränderungen zugrunde liegen, die neurodegenerativer Natur sein könnten. Aufgrund der Schwere und der ungünstigen Prognose ist dies ein nachvollziehbarer Gedanke, dem allerdings diverse Argumente widersprechen: Erstens scheint es keine Progression von kognitiven Defiziten oder allgemein der Negativsymptomatik mit dem Krankheitsverlauf zu geben, zweitens fehlen Hinweise auf einen klassisch neurodegenerativen Prozess und drittens scheint eine Reversibilität hirnstruktureller Veränderungen vorzuliegen, was alles zusammengenommen dafür spricht, dass der Schizophrenie kein (klassisch) degenerativer Prozess, sondern den hirnstrukturellen und hirnfunktionellen Veränderungen eine Störung regenerativer Prozesse zugrunde liegt.