Aktuel Urol 2017; 48(06): 587-598
DOI: 10.1055/s-0043-116822
Operative Techniken
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Operationen der weiblichen Harnröhre: Meatusplastik, Operation der Urethralkarunkel, des Urethralprolapses und des Urethraldivertikels

Patrick de Geeter

Verantwortlicher Herausgeber dieser Rubrik: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Dr. med. Patrick de Greeter.
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
07. Dezember 2017 (online)

Meatusplastik

Einleitung

Kongenitale Meatusstenosen sind selten. Am häufigsten tritt eine Meatusstenose nach der Menopause auf, wobei hormonelle Veränderungen mit Elastizitätsverlust und Ausbildung eines fibrotischen Ringes als mögliche Ursache infrage kommen. Gelegentlich ist auch ein Lichen sclerosus (Kraurosis vulvae) für die Ausbildung einer Meatusstenose verantwortlich.

Diagnostisch am meisten relevant ist die Kalibrierung der Harnröhre mit konischen Dilatationsstiften (Charriére-Maßeinheiten) oder mit Bougies à boule mit zunehmendem Kaliber, bis das Bougie à boule am Meatus externus „hakt“. Ein plötzlicher Kalibersprung ist sehr relevant, wobei die Kalibrierung sehr behutsam durchgeführt werden muss, um willkürliche Harnröhrenspasmen zu vermeiden.

Durch die Einengung des Meatus externus kommt es bei der Miktion zu Turbulenzen im distalen Harnröhrenabschnitt und nicht selten kann eine Erhöhung des Miktionsdrucks mit einer überaktiven Blase (alte Nomenklatur: Detrusorinstabilität) nachgewiesen werden. Klinische Manifestationen sind eine höhere Anfälligkeit für rezidivierende Harnwegsinfektionen und wechselnde dysurische und irritative Miktionsbeschwerden. Bei Kindern kann die Meatusstenose Ursache einer Enuresis (auch diurna) sein. Bei typischen Befunden zeigt die Miktionszystourethrografie eine deutliche Ballonierung der Harnröhre („spinning top“).

Die Behandlung einer eindeutigen Meatusstenose erfolgt am besten durch eine plastische Meatotomie oder Meatusplastik, weil der Eingriff komplikationsarm ist und kaum Rezidive auftreten. Alternative Verfahren sind die Harnröhrenbougierung und die interne Otis-Urethrotomie. Durch die Harnröhrenbougierung entstehen allerdings Schleimhauteinrisse, die leicht zu neuen Vernarbungen und Rezidiven führen. Durch die interne Urethrotomie wird die Harnröhre über ihre gesamte Länge geschlitzt; dieses Verfahren soll behutsam oder erst gar nicht eingesetzt werden, weil Fälle mit nachfolgender Inkontinenz beschrieben wurden.

Indikation

  • Meatusstenose

Zugangsweg

  • Steinschnittlage

Notwendige präoperative Diagnostik

  • Obligate Diagnostik

    • Harnröhrenkalibrierung: im Kindesalter sollte das Kaliber der Harnröhre Lebensalter plus 10 Charr betragen, bei Erwachsenen (mindestens) 26 – 28 Charr

  • Fakultative Diagnostik.

    • Uroflowmetrie und Druck-Fluss-Messung

    • Miktionszystourethrografie

Patientenaufklärung und spezielle Risiken

  • Rezidive der Meatusenge

  • Inkontinenz

Spezielles Instrumentarium

  • Bougie-à-boule-Set

  • Diathermie-Nadel oder Einmalskalpell (Größe 15)

Nahtmaterial

  • Schleimhautnähte: resorbierbares Nahtmaterial:

    • Polyglykolsäure (z. B. Safil quick 4 – 0, 5 – 0)

    • Polyglactin (z. B. Vicryl rapid 4 – 0, 5 – 0)

Vor Beginn der Operation

  • unauffälligen Urinstatus verifizieren

  • Harnröhrenkalibrierung sollte in Narkose wiederholt werden


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