Aktuel Kardiol 2017; 6(04): 283-290
DOI: 10.1055/s-0043-115907
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interventionelle Therapie der Mitralklappe: MitraClip® – Indikationen und Vorgehen 2017

Interventional Therapy of Mitral Valve: MitraClip® – Indications and Approach 2017Jan C. Horstkotte, Peter Boekstegers
  • Klinik für Angiologie und Kardiologie, Helios Herzzentrum Siegburg
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Publication Date:
24 August 2017 (online)

Zusammenfassung

Die interventionelle Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz mit dem MitraClip®-Verfahren ist mittlerweile eine etablierte Alternative für Hochrisikopatienten. Neben der Behandlung der sekundären – funktionellen – Mitralklappeninsuffizienz ist der MitraClip durchaus auch bei Patienten mit primärer – degenerativer – Mitralklappeninsuffizienz und erhöhtem Operationsrisiko oder sehr hohem Lebensalter einsetzbar und hat im mittelfristigen Verlauf klinisch überzeugende Behandlungsergebnisse gezeigt. Eine zunehmende Anzahl von Studien belegt, dass das MitraClip-Verfahren auch langfristig vergleichbare Ergebnisse zur operativen Therapie bietet [1], [2]. Weiterhin haben sich die Techniken zur Beurteilung des periprozeduralen Ergebnisses verbessert [3]. Ob mit der MitraClip-Implantation bei Patienten mit sekundärer Mitralklappeninsuffizienz ein Überlebensvorteil gegenüber einer rein medikamentösen Therapie besteht bzw. ob die MitraClip-Implantation bei der primären oder sekundären Mitralklappeninsuffizienz und hohem OP-Risiko der operativen Therapie überlegen ist, wird aktuell in verschiedenen laufenden randomisierten Studien untersucht (RESHAPE-HF, COAPT-Studie, MATTERHORN).

Abstract

The interventional approach to mitral valve insufficiency with MitraClip® is an established alternative for high risk patients. MitraClip-Implantation shows convincing clinical results in midterm follow up in patient with severe primary as well as secondary mitral valve insufficiency and high risk for surgery. If patients with secondary mitral valve insufficiency benefit from MitraClip implantation compared to medical treatment alone or if MitraClip implantation is superior in patients with primary or secondary mitral valve insufficiency and high risk for surgery compared to operative therapy, is studied in ongoing clinical randomized trials (RESHAPE-HF, COAPT-Studie, MATTERHORN).

Was ist wichtig?
  • Die Ausprägung der Mitralklappeninsuffizienz (MKI) ist stark abhängig vom klinischen Zustand des Patienten (kardiale Dekompensation, Rhythmusstörung, Sedierung). Daher sollten prä- und postprozedurale Diagnostiken unter identischen Untersuchungsbedingungen erfolgen.

  • Bei Patienten mit primärer MKI und hohem operativen Risiko oder sekundärer MKI ohne Notwendigkeit zur Revaskularisierung kann die MitraClip-Implantation bei geeigneter Morphologie der Mitralklappe erwogen werden (Klasse-II b-Empfehlung).

  • Bei jedem Patienten ist die perkutane Mitralklappenrekonstruktion (MKR) eine individuelle Entscheidung und sollte im Herzteam interdisziplinär besprochen werden.

  • Zur Verbesserung des periinterventionellen Ergebnisses kann die multimodale Beurteilung der MKI (vor allem kontinuierliches hämodynamisches Monitoring) die transösophageale Echokardiografie sinnvoll ergänzen.