neuroreha 2017; 09(02): 55-56
DOI: 10.1055/s-0043-111390
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Forcierte Aphasietherapie in der Akutphase nach Schlaganfall

Jan Mehrholz
1  Private Europäische Medizinische Akademie der Klinik Bavaria in Kreischa GmbH, An der Wolfsschlucht 1–2; 01731 Kreischa
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Publication History

Publication Date:
09 June 2017 (online)

Zusammenfassung der Studie

Ziele

Evaluation der forcierten Sprachtherapie bei Aphasie in der Akutphase nach Schlaganfall.


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Methodik

Design Dreiarmige randomisierte und kontrollierte Studie.

Ein- und Ausschlusskriterien Eingeschlossen wurden Patienten nach erstem akuten ischämischen Schlaganfall mit einem Ergebnis im Aachener Aphasie Test (AAT, von 0–5) von 1 bis 4 Punkten. Ausgeschlossen wurden Patienten mit schweren kognitiven oder Aufmerksamkeitsdefiziten, schwerer Depression, Linkshändige, mit schwerer Dysarthrie, Sprechapraxie, schwerer Taubheit sowie bei zusätzlicher neurologischer Erkrankung.

Interventionen Die erste Gruppe erhielt drei Stunden pro Tag eine forcierte und intensivierte Aphasie-Gruppentherapie (CIAT, insgesamt 30 Trainingsstunden über zehn Arbeitstage). Die CIAT-Gruppe bestand aus zwei bis drei Patienten und zwei Sprachtherapeuten. Es wurden 15–20 identische Kartenpaare, die Bilder von Alltagsaktivitäten, Situationen oder Personen beinhalteten, per Zufallsprinzip unter den Patienten verteilt, wobei sichergestellt wurde, dass jeder Patient nur eine Karte eines Kartenpaares bei sich hielt. Die Patienten waren in der Gruppe visuell voneinander getrennt und sollten mit ihren Mitspielern ausschließlich sprachlich kommunizieren. Ultimatives Ziel war es, das verbleibende Kartenpaar eines Mitspielers zu erfragen. Einer der beiden Sprachtherapeuten spielte bei den Patienten mit, der andere beobachtete die Gruppe als Schiedsrichter, erlaubte keinerlei kompensatorische Kommunikation, gab aber den Patienten Hilfestellung, wenn nötig. In das Spiel wurden Elemente zur Steigerung der Schwierigkeit eingerichtet.

Die zweite Gruppe erhielt eine konventionelle Sprachtherapie in einer sogenannten Kommunikationsgruppe (CTG). Obgleich in dieser Behandlungsgruppe die Intensität der Sprachtherapie mit der CIAT-Gruppe vergleichbar war (drei Stunden pro Tag über zehn Werktage mit insgesamt 30 Übungsstunden), unterschieden sich die therapeutischen Inhalte deutlich. In der CTG-Gruppe wurden drei bis vier Patienten von einer Sprachtherapeutin behandelt. Erlaubt waren alle Interaktionen bzw. alle Arten der Kommunikation und auch gegenseitige Unterstützung in Form von Hilfen oder spezifische Einschränkungen war gestattet. Steigerungen des Therapieanspruchs wurden ebenfalls eingerichtet. Die Therapieinhalte wurden variiert und beinhalteten das Vervollständigen von Sätzen, Zuhören und Wiederholen, Konversation über aktuelle Ereignisse, Befolgen von Instruktion und Üben von geschriebenen Wörtern und Wortabruf.

Die dritte Gruppe erhielt eine charakteristische klinische und leitlinienbasierte Sprachtherapie. Die Therapie in der dritten Gruppe beinhaltete 30 Minuten individueller Therapie zweimal am Tag über zehn Arbeitstage und insgesamt 14 Stunden Gruppentherapie über eine Zeitdauer von zwei Wochen.

Messungen Gemessen wurde mit verblindeten und geschulten Untersuchern einen Tag vor Beginn der Therapie und einen Arbeitstag nach Ende der letzten Therapie.

Primäre abhängige Variable war die Punktzahl im Aachener Aphasie Test, die verblindet erhoben wurde. Außerdem wurde der Communicative Activity Log (CAL) genutzt.


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Ergebnisse

60 Patienten wurden eingeschlossen, davon 20 Patienten in die CIAT-Gruppe, 20 Patienten in die konventionelle Therapiegruppe (CTG) und 20 Patienten in die Kontrollgruppe (CG). Alle Patienten verbesserten sich unabhängig von ihrer Gruppe in allen Messungen im Vorher-nachher-Vergleich. Insgesamt fanden sich keine systematischen statistischen Gruppenunterschiede.


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Schlussfolgerung

Insgesamt war die intensive Sprachtherapie in der Akutphase nach Schlaganfall gut durchführbar und wurde von den Patienten gut toleriert. Die Autoren schlussfolgern daher, dass 14 Stunden Aphasietherapie über zwei Wochen als individuelle Therapie kombiniert mit einer Gruppensitzung am effizientesten sind.


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