Fortschr Neurol Psychiatr 2017; 85(07): 393-399
DOI: 10.1055/s-0043-110673
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Teilhabebezogene Verlaufstypen in der Schlaganfallrehabilitation – Subgruppenanalyse der Daten einer multizentrischen Beobachtungsstudie zur ambulanten Rehabilitation nach Schlaganfall

Trajectory analysis of participation in a sample of stroke patients in German neurological outpatient rehabilitation centres
Judit Marheineke
1  Ambulante Reha am Krankenhaus Geilenkirchen GmbH
,
Ruth Deck
2  Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin Lübeck
,
Paul Reuther
3  Neurologische Therapie RheinAhr – Zentrum für Rehabilitation, Eingliederung und Nachsorge; BV ANR e. V. Bundesverband ambulant-teilstationäre Neurorehabilitation
,
Dominik Pöppl
4  St. Elisabeth-Krankenhaus Geilenkirchen
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Publication Date:
02 August 2017 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Es wurde eine Verlaufstypenanalyse hinsichtlich der Teilhabemaße von Schlaganfallpatienten in der ambulanten Neurorehabilitation durchgeführt. Diese weist eine Reihe von Vorteilen gegenüber der Methode des Mittelwertvergleichs auf und erlaubt erste Untersuchungen zu den Rehaverlauf beeinflussenden Kontextvariablen.

Methodik In einer multizentrischen Beobachtungsstudie wurden Rehabilitanden nach einem Schlaganfall in 17 ambulanten neurologischen Rehabilitationszentren in Deutschland innerhalb eines festgelegten Zeitraums befragt. Die Erhebung der Selbsteinschätzung der Teilhabesituation der Rehabilitanden mittels Fragebögen fand zu Beginn und Ende der Rehabilitationsmaßnahme sowie 4 und 12 Monate danach statt, zusätzlich erfolgte zu Beginn und Ende der Maßnahme eine Fremdeinschätzung durch die behandelnden Ärzte.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen Es konnten die Daten von 364 Schlaganfallpatienten gewonnen werden. Die Verlaufstypenanalyse zeigte, dass die Teilhabe bei 36 (9,9 %) der 364 Teilnehmer im Verlauf der Rehamaßnahme als verschlechtert angegeben wurde. 173 (47,5 %) Probanden gaben keine Veränderung der Teilhabe an, und bei 155 (42,6 %) der Teilnehmer zeigte sich zum Ende der Rehabilitation eine Verbesserung der Teilhabe. Bei 99 der 173 Teilnehmer, die keine Veränderung zeigten, lagen allerdings schon zu Beginn Teilhabemaße im kaum beeinträchtigten Bereich vor, was in Bezug auf die Rehabilitationsindikation diskutiert wird. Hinsichtlich der untersuchten soziodemographischen Variablen fanden sich lediglich in Bezug auf Geschlecht und Nettoeinkommen signifikante Einflüsse auf den Rehaverlauf, so dass weitere Forschung hinsichtlich der starken Varianz der Rehaverläufe notwendig erscheint.

Abstract

Objective We used a trajectory analysis to evaluate the course of participation in a sample of stroke patients in German neurological outpatient rehabilitation centres. Among other benefits, the method of trajectory analysis enables exploration of variables that influence the course of rehabilitation.

Method In a multicentric observational study, patients at 17 outpatient neurorehabilitation centres were asked to fill in a questionnaire four times: at the time of admission to the rehabilitation center, on discharge and on month 4 and 12 post rehab. Additionally, clinical experts were asked to rate the patients’ status at admission and discharge.

Results and conclusions We obtained data on 364 stroke patients. There was deterioration in the social participation of 36 (9.9 %) patients, no change was observed in the participation of 173 (47.5 %) patients, and there was improvement in the participation of 155 (42.6 %) patients. 99 patients among the 173 patients that did not show changes in participation had already started with good participation scores. This questions the need for rehabilitation for this group. According to the sociodemographic variables, we could show that only sex and income are important for the course of rehabilitation. Further research is necessary about context factors that influence trajectories.

Fuß­no­te