Dialyse aktuell 2017; 21(07): 340
DOI: 10.1055/s-0043-110553
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Frau und Niere

Christiane Erley1
  • 1Berlin
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Publication Date:
08 September 2017 (online)

In dem vorliegenden Heft wird auf den Aspekt der „Gendermedizin“ bzw. auf „frauenspezifische Aspekte“ in der Nephrologie eingegangen. Der Hintergrund, sich mit dieser Symptomatik näher zu beschäftigen, ist natürlich einerseits, dass Männer und Frauen unterschiedlich erkranken und auch unterschiedlich genesen. Die Symptomatik des Krankheitsverlaufes, die Reaktion auf die Medikation und auch die Grundhaltung gegenüber der Gesundheit und Krankheit sind geschlechtlich unterschiedlich geprägt. Viele Nachbarfächer, insbesondere die Kardiologie, haben bereits vor vielen Jahren diese Problematik aufgegriffen und sich strukturiert mit den Fragen geschlechtsspezifischer Unterschiede in Symptomatik und Behandlung beschäftigt. Wir Nephrologen fangen erst in letzter Zeit an, diese speziellen Aspekte unseres ärztlichen Handels zu beleuchten bzw. näher zu untersuchen.

In dieser Ausgabe der Dialyse aktuell soll daher auf spezielle Bereiche der Nephrologie im Hinblick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen eingegangen werden. So geht Prof. Sylvia Stracke, Greifswald, die 2012 ebenfalls als Gasteditorin eines Schwerpunktheftes zum Thema „Gender Medicine in der Nephrologie“ in der Dialyse aktuell fungierte, ausführlich auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Behandlung dialysepflichtiger Patienten ein. In diesem Artikel diskutiert sie auch neuere Ergebnisse der geschlechtsspezifischen Unterschiede von Nierenerkrankungen inkl. der Unterschiede bei den begleitenden kardiovaskulären und allgemeinmedizinischen Veränderungen.

Obwohl nach wie vor große randomisierte Studien hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Pathogenese und Progression von Nierenerkrankungen bestehen, gibt es doch einige Daten, die klar zeigen, dass insbesondere in der Dialyse genderspezifische Unterschiede beachtet werden müssen und Nephrologen dies in ihren Arbeitsalltag integrieren sollten. Dies wird auch durch eine große, weltweit angelegte Untersuchung belegt, die kürzlich in "Seminars of Nephrology" erschien und die Situation der nierenkranken Frauen weltweit beleuchtete (siehe Rubrik „Journal-Club“ in dieser Ausgabe).

Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit den Aspekten der Arzneimitteltherapie bei nierenkranken Patienten im Hinblick auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Prof. Karen Nieber, Leipzig, zeigt in ihrem Artikel nicht nur Unterschiede im Hinblick auf die Pharmakogenetik auf, sondern weist auch darauf hin, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Nierenfunktion zu einer unterschiedlichen Pharmakodynamik führen. Darüber hinaus sind Einflüsse durch die Sexualhormone bekannt. Daneben gibt es gute Untersuchungen zu unterschiedlichen genetisch bedingten Abbau- und Metabolisierungsprozessen von Pharmaka, die einen Teil der bekannten geschlechtsspezifischen unterschiedlichen Nebenwirkungsprofile von z. B. Betablockern ausmachen könnten. Außerdem spielen natürlich auch psychosoziale Faktoren, die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Therapieadhärenz bedingen können, eine Rolle.

Der Beitrag, der sich speziell mit einem frauenspezifischen Problem beschäftigt, nämlich der Schwangerschaft bei Patientinnen mit Nierenerkrankungen, kommt aus Köln: Prof. Christine Kurschat zeigt die neuesten Entwicklungen und Daten bei schwangeren Patientinnen mit vorbestehenden Nierenerkrankungen und bei Patientinnen mit Nierenerkrankungen in der Schwangerschaft.

Ich wünsche allen beim Lesen dieser Artikel viel Spaß und würde mich freuen, wenn der sehr wichtige Aspekt der Gendermedizin im Hinblick auf die Behandlung von Frauen und Männern auch in der Nephrologie vermehrt Einzug hält.