Aktuel Kardiol 2017; 6(04): 271-276
DOI: 10.1055/s-0043-109566
Kurzübersicht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Operative Therapie – Mitralklappenrekonstruktion oder Mitralklappenersatz?

Surgical Therapy – Mitral Valve Reconstruction or Mitral Valve Replacement?Simon Sündermann, Volkmar Falk
  • Klinik für Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
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Publication Date:
24 August 2017 (online)

Zusammenfassung

Das Auftreten einer Mitralklappeninsuffizienz (MI) basiert auf 2 völlig unterschiedlichen pathologischen Mechanismen: Bei der primären MI kommt es zu degenerativen Veränderungen an der Mitralklappe. Hier ist die Goldstandardtherapie die chirurgische Mitralklappenrekonstruktion mit exzellenten Langzeitergebnissen. Die sekundäre MI ist die Folge einer ischämischen oder dilatativen Kardiomyopathie mit Veränderungen der Ventrikelgeometrie, die zu einer Veränderung der Klappengeometrie führen. Für eine erfolgreiche Rekonstruktion ist es notwendig, dass genügend viables Myokard vorhanden ist, sodass ein reverses Remodeling wahrscheinlich ist. Außerdem müssen verschiedene Faktoren wie der Sphericity-Index und die Symmetrie des Tetherings berücksichtigt werden, um den Erfolg einer Rekonstruktion abzuschätzen. Liegt eine ungünstige Konstellation vor, sollte ein Mitralklappenersatz oder eine alternative Therapie wie z. B. die Mitraclip-Implantation angestrebt werden.

Summary

The occurrence of a mitral valve regurgitation (MR) is based on two totally different pathomechanisms: In primary MR, the valve is diseased due to degenerative processes. The gold standard therapy is the surgical repair with excellent long term results. In secondary MR, an ischemic or dilatative cardiomyopathy leads to geometric changes in the left ventricle, followed by changes in the valvular geometry. For a successful reconstruction, a sufficient amount of viable myocardium has to be available, otherwise a reverse remodeling is unlikely. Additionally, different factors like the systolic sphericity index and the symmetry of the tethering have to be taken into calculation to estimate the success of a reconstruction. In adverse conditions, a mitral valve replacement or an alternative therapy like Mitraclip implantation should be favoured.

Was ist wichtig?
  • Mitralklappeninsuffizienz Primäre und sekundäre Mitralklappeninsuffizienz sind völlig unterschiedliche Krankheitsbilder.

  • Primäre Mitralklappeninsuffizienz Die chirurgische Rekonstruktion ist der Goldstandard bei schwerer Insuffizienz.

  • Sekundäre Mitralklappeninsuffizienz Die chirurgische Rekonstruktion zeigt eine hohe Reinsuffizienzrate nach 1 und 2 Jahren. Die Therapieentscheidung sollte von patientenspezifischen und definierten echokardiografischen Parametern abhängig gemacht werden.