Dtsch med Wochenschr 2017; 142(14): 1063-1066
DOI: 10.1055/s-0043-106282
Kasuistik
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fieber und Kopfschmerzen nach Thailandurlaub

Fever and Headache after a Vacation in Thailand
Benedikt Schwermer
,
Daniel Eschle
,
Constantine Bloch-Infanger
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Publication Date:
20 July 2017 (online)

Zusammenfassung

Anamnese Ein 50-jähriger Patient stellt sich mit Kopfschmerzen sowie hohem Fieber etwa eine Woche nach Rückkehr aus seinem Thailandurlaub vor. Hausärztlicherseits vorbehandelt wurde er mit Amoxicillin/Clavulansäure ohne Suche eines Infektfokus oder Erregerdiagnostik.

Untersuchungen Wegbereitend für das weitere Prozedere war das pathologische Ergebnis einer Lumbalpunktion mit vorwiegend lymphozytärer Pleozytose von 80 Zellen/μl (< 5) mit auf 782 mg/l (< 450) erhöhtem Protein, normwertigem Glukosegehalt sowie einem Laktat im oberen Normbereich.

Therapie und Verlauf Nach Abnahme von Blut- sowie Liquorkulturen erfolgt eine kalkulierte antiinfektiöse Therapie, um bis zum Eintreffen der mikrobiologischen Analysen möglichst viele Meningitis-/Enzephalitiserreger abzudecken.

Eine Multiplex-PCR des Liquors auf in der Schweiz endemische virale und bakterielle Erreger bleibt negativ. Nachdem sich auch in Liquor- und Blutkulturen kein Keimwachstum abzeichnet, kann die antiinfektiöse Therapie abgesetzt werden. Die Suche nach Malaria, HIV, Chikungunya- und Dengue- sowie FSME-Virus ergibt negative Befunde. Nach etwa 10 Tagen erreicht uns eine deutlich positive Serologie für das Japanische Enzephalitisvirus (JEV).

Folgerungen Die Japanische Enzephalitis wird durch ein Flavivirus ausgelöst, das durch Mücken übertragen wird. Sie ist im asiatischen Raum eine der bedeutendsten Enzephalitiden. Die Letalität bei einer manifesten Erkrankung liegt bei bis zu 30 %. Eine kausale Therapie existiert nicht. Seit 2009 ist jedoch ein gut verträglicher Impfstoff zugelassen.

Abstract

History 50 year-old man with fever and headache starting one week after returning from his vacation in Thailand. His general practitioner prescribed amoxicillin/clavulanic acid, without further analyses to pinpoint the infection.

Examinations The examination of cerebro-spinal fluid was crucial for the final diagnosis. Lumbar puncture demonstrated a predominantly mononuclear pleocytosis of 80 cells/µl (< 5) with an elevated protein of 782 mg/l (< 450); glucose and lactate were within normal limits.

Treatment and course Initially we tried to treat a broad range of organisms potentially causing meningitis or encephalitis. Typical bacteria and viruses endemic to Switzerland were not found, thus anti-infective treatment was stopped. Also the search for malaria, HIV, Chikungunya and Dengue infections yielded negative results. After 10 days we received a positive serologic test for Japanese encephalitis virus (JEV).

Conclusions The Japanese encephalitis virus is transmitted by mosquitoes and is epidemiologically one of the most important transmissible neurologic diseases in Asia. Although only a minority of infected patients are gravely ill, their sequelae and death toll are considerable. Since 2009 a well-tolerated vaccine is available.