Frauenheilkunde up2date 2017; 11(02): 159-169
DOI: 10.1055/s-0043-105854
Gynäkologische Onkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Systemtherapie des Ovarialkarzinoms

Eva-Maria Grischke
,
Stefan Kommoss
,
Florin Andrei Taran
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Publication History

Publication Date:
15 May 2017 (online)

Die Systemtherapie beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom besteht in der Regel aus einer Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel über 6 Zyklen – in den Stadien FIGO IIIB und IV zusätzlich erweitert um Bevacizumab. Rezidive werden entsprechend ihrer Platinsensitivität erneut platinhaltig behandelt oder bei Resistenz mit einer Monochemotherapie anderer Wirkstoffe. Liegt eine BRCA-1/2-Mutation vor, wird um einen PARP-Inhibitor ergänzt.

Kernaussagen
  • In der Primärbehandlung des Ovarialkarzinoms ist die Kombinationschemotherapie bestehend aus Carboplatin und Paclitaxel die Standardbehandlung. In den fortgeschrittenen Stadien FIGO IIIB und IV, insbesondere beim high-grade serösen Karzinom, wird zusätzlich der Antiangiogenese-Antikörper Bevacizumab verabreicht unter Berücksichtigung von Komorbiditäten und Kontraindikationen – ggf. erst zum 2. oder 3. Therapiezyklus.

  • Bei Wiederauftreten eines platinsensitiven Ovarialkarzinomrezidivs wird mit einer platinhaltigen Kombinationschemotherapie im Sinne einer Re-Induktion therapiert. Die Entscheidung bezüglich einer Kombination bestehend aus Carboplatin/Paclitaxel, Carboplatin/Gemcitabin oder Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin kann bei Äquieffektivität der Schemata unter Berücksichtigung des entsprechenden zu erwartenden Nebenwirkungsspektrums gewählt werden. Dabei kann für die Kombination Carboplatin/Gemcitabin zusätzlich Bevacizumab verabreicht werden, soweit in der Primärbehandlung nicht erfolgt.

  • Ein somatischer Gentest ergibt in durchschnittlich 20% der Fälle eine BRCA-1/2-Mutation. In der Rezidivsituation wird nach abgeschlossener, erfolgreicher platinhaltiger Chemotherapie eine Behandlung mit dem PARP-Inhibitor Olaparib empfohlen.

  • In der Behandlung des platinresistenten Ovarialkarzinomrezidivs wird mit einer Monochemotherapie behandelt. Hierbei stehen mehrere Substanzen zur Verfügung. Bei Paclitaxel, Topotecan und dem pegylierten liposomalen Doxorubicin kann Bevacizumab ergänzt werden, soweit es in der Primärbehandlung nicht verabreicht worden ist.