Gastroenterologie up2date 2017; 13(03): 223-245
DOI: 10.1055/s-0043-104462
Leber/Galle/Pankreas
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

IgG4-assoziierte Erkrankungen und Autoimmunpankreatitis

Johanna Backhus, Thomas Seufferlein, Alexander Kleger
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Publication Date:
08 September 2017 (online)

Zusammenfassung

Der Begriff IgG4-assoziierte Erkrankung bezeichnet eine chronisch inflammatorische Systemerkrankung, die aufgrund ihres variablen klinischen Verlaufs über viele Jahre hinweg einzelnen Organsystemen zugeschrieben wurde. Die Autoimmunpankreatitis stellt die am besten charakterisierte Organmanifestation einer IgG4-assoziierten Erkrankung dar. Makroskopisch zeichnet sich die facettenreiche Erkrankung entweder durch eine diffuse Organschwellung oder durch Ausbildung pseudotumoröser Raumforderungen aus. Das histopathologische Korrelat ist ein lymphoplasmazelluläres Infiltrat mit IgG4+-Plasmazellen, das über einen komplexen autoimmunvermittelten Prozess letztlich zu den histologischen Stigmata storiforme Fibrose und obliterierende Phlebitis führt. Die Pathogenese der IgG4-assoziierten Erkrankung ist noch nicht vollständig geklärt, eine zentrale Rolle der IgG4+-Plasmazellen zeichnet sich ab. Als Therapie der Wahl zur Remissionsinduktion, aber auch zur Erhaltungstherapie haben sich Glukokortikoide etabliert. Biologika wie der Anti-CD20-Antikörper Rituximab rücken vor allem bei steroidrefraktären Verläufen und steroidassoziierten Nebenwirkung immer mehr in den Mittelpunkt. Eine unzureichende Therapie kann beim Fortschreiten der Erkrankung zum Funktionsverlust der betroffenen Organe führen.

Die IgG4-assoziierte Erkrankung ist eine seltene Entität, die in zahlreichen Organen auftritt und im Verlauf zu deren Funktionsverlust führen kann. Ihre Symptome und Befunde sind oft eher unspezifisch oder aber malignomsuspekt – weshalb sie eine diagnostische Herausforderung ist. Dieser Beitrag schildert ausführlich den derzeitigen Wissensstand zu Pathophysiologie, Diagnostik, Organmanifestationen und therapeutischen Ansätzen.

Kernaussagen
  • IgG4-assoziierte Erkrankungen können alle Organe betreffen und durch die chronisch fibrosierend verlaufende Entzündung zum Organfunktionsverlust führen.

  • Die Diagnose wird über klinisches Bild, Serologie, Histologie und Bildgebung gestellt.

  • In der Histologie kann die Trias aus lymphoplasmazellulärem Infiltrat mit IgG4+-Plasmazellen, storiformer Fibrose und obliterierender Phlebitis nachweisbar sein. Regelhaft kommt es aber vor, dass nicht alle 3 Kriterien gleichzeitig vorhanden sind.

  • Plasmablasten korrelieren gut mit der Diagnose und der Krankheitsaktivität und werden zukünftig eine größere Rolle spielen.

  • Einzelne Organsysteme haben ihre eigenen Diagnosekriterien.

  • Die IgG4-assoziierte Nephropathie und die Aortitis sind ein klinischer Notfall.

  • Steroide stellen die Primärtherapie dar, bei Komplikationen oder Rezidiven stehen neben den klassischen Immunmodulatoren wie Azathioprin auch Biologicals (Rituximab) zur Verfügung.