Frauenheilkunde up2date 2017; 11(02): 123-135
DOI: 10.1055/s-0043-103009
Allgemeine Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapie der funktionellen Obstipation in Schwangerschaft und Stillzeit

Kamran Gharehbaghi
,
Daniel R. Gharehbaghi
,
Franz Wierrani
,
Gerhard Sliutz
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Publication History

Publication Date:
31 May 2017 (online)

In der Schwangerschaft ist die Transitzeit im Darm verzögert, weshalb bis zu ⅓ der Schwangeren im 2. und 3. Trimenon über Obstipation klagt mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität. Allerdings gibt es nicht so viel Auswahl an gut untersuchten und sicheren Laxanzien für Schwangere und Stillende – zum einen wegen des Risikos für Tenesmen, zum anderen wegen eventueller Plazentagängigkeit oder Übergangs in die Muttermilch.

Kernaussagen

Lösliche und unlösliche pflanzliche Fasern (Füll- und Quellmittel), Docusat-Natrium, Mineralöle (Schmier- und Gleitmittel), Macrogol (Polyethylenglykol, PEG), Zucker und Zuckeralkohole (osmotische Laxanzien) sowie Anthrachinone und diphenolische Laxanzien (stimulierende Laxanzien) gehören zu den herkömmlich in der Schwangerschaft und Stillperiode verwendeten Abführmitteln.

Sie scheinen kein Risiko für Teratogenität aufzuweisen und den Säugling nicht zu gefährden.

Die Risikoklassifikation der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für diese Substanzen ist eher durch das Fehlen von Daten als durch eine evidenzbasierte Studienlage beeinflusst und deshalb nicht hilfreich.

Alternative Ansätze durch das American College of Gastroenterologyʼs Committee on FDA related Matters (ACG-FDA) und das „Motherisk Program“ sollen die Therapieentscheidung vereinfachen.

Für neue Substanzen, wie Chloridkanal-Aktivatoren und Prokinetika liegen keine Daten für Schwangerschaft und Stillzeit vor.

Wir empfehlen als Mittel der 1. Wahl in der Schwangerschaft Macrogol und Laktulose, wobei Macrogol Vorteile aufweist wie raschen Wirkeintritt und die wenig ausgeprägte Bildung von Flatulenzen.

Erst bei Versagen dieser Therapie sollen ab dem 2. Trimenon diphenolische Laxanzien wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat verwendet werden.

In der Schwangerschaft wird die Wahl des Laxans vor allem bestimmt von seiner Gefahr, Tenesmen und damit Frühgeburtlichkeit auszulösen.

Während des Stillens kann, je nach dem klinischen Bild der Mutter, unter Macrogol (wegen fehlender Datenlage der Laktulose vorzuziehen), Laktulose, Bisacodyl und Natriumpicosulfat gewählt werden.