Frauenheilkunde up2date 2017; 11(01): 59-78
DOI: 10.1055/s-0043-101657
Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Peri- und postpartale Blutungen

Werner Stein
,
Günter Emons
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Publication History

Publication Date:
10 April 2017 (online)

Während der Schwangerschaft resultiert als physiologisches Geschehen eine Hyperkoagulabilität. Prä- und postpartale Blutungen im Zusammenhang mit bestimmten Krankheitsbildern werden häufig in ihrer Tragweite zunächst unterschätzt. Kommt es zur Koagulopathie, verringert nur ein rasches interdisziplinäres Handeln die maternale Morbidität und Mortalität.

Kernaussagen

Umfangreiche Veränderungen der Hämostase bedingen in der normalen Schwangerschaft einen Zustand der Hyperkoagulabilität. Prä- und postpartale Blutungen bedingen weltweit einen hohen Anteil mütterlicher Mortalität, wobei bis zu 90 % der tödlichen Blutungen postpartal auftreten. Blutungsassoziierte Krankheitsbilder in der Geburtshilfe umfassen das HELLP-Syndrom, die Fruchtwasserembolie (Amnioninfusionssyndrom), Placenta praevia oder Placenta accreta, die vorzeitige Plazentalösung und die postpartale Blutung. Blutgerinnungsstörungen in der Geburtshilfe sind hierbei vor allem bedingt durch eine Verlust- bzw. Verdünnungskoagulopathie oder eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC). Die genannten Koagulopathien bedingen einander und sind eng assoziiert mit einer Gewebshypoxie, Azidose und Hypothermie. Besteht der Verdacht auf eine DIC, sind engmaschige Laborkontrollen durchzuführen. Zur Behandlung einer schweren geburtshilflichen Koagulopathie werden je nach Bedarf Blutkomponenten eingesetzt. Die Therapie einer schweren geburtshilflichen Blutungsstörung umfasst die rechtzeitige Diagnosestellung, eine zügige Wiederherstellung des zirkulierenden Volumens, die Beseitigung der Blutungsursache und die Therapie einer Koagulopathie. Rasches interdisziplinäres Handeln ist dabei entscheidend für den Erfolg. Ein aktives Management in der Nachgeburtsphase reduziert das Risiko einer postpartalen Blutung und erniedrigt damit auch das Transfusionsrisiko. Hierzu gehören Eisblase, manuelle Uteruskompression, Gabe von Oxytocin und ggf. Sulproston sowie bei chirurgischer Intervention die intrauterine Ballontamponade, Uteruskompressionsnähte oder in letzter Instanz die Hysterektomie.