Endo-Praxis 2017; 33(02): 63
DOI: 10.1055/s-0043-101554
10 Fragen an …
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„Ich würde gerne die Welternährung und den Weltfrieden sichern können“

10 Fragen an Gerlinde Weilguny
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Publikationsdatum:
01. Juni 2017 (online)

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Was hat Dich in die Endoskopie geführt?

Eine mystische innere Stimme sagte: „werde Endoskopieschwester!“, nein, Spaß beiseite: das war sehr unspektakulär, so wie es nach wie vor auf viele meiner Mitarbeiterinnen auch zutrifft. Ich wollte, als mein Kind in den Kindergarten kam, die Wochenenden zu Hause verbringen können. Aus drei zur Auswahl stehenden Plätzen, entschied ich mich für die Endoskopie.

Wer oder was hat Dich in Deiner Berufslaufbahn am meisten beeinflusst?

Ganz sicher die Zeit des Aufbaus der interventionellen Endoskopie mit einer ärztlichen Endoskopieleitung, die mit Power und Innovation mitreißen konnte. Außerdem gab es damals in Österreich viel zu wenig Fortbildungsangebote und keinen Fachverband für Endoskopiepersonal. Das waren Herausforderungen, die ich zumindest teilweise annahm.

Wie beginnst Du Deinen Arbeitstag … und wie beendest Du ihn?

Mit einer Fahrradfahrt und dann mit einer gemeinsamen Morgenbesprechung des pflegerischen und ärztlichen Teams.Zum Ende meines Arbeitstags, wenn Ruhe in der Abteilung eingekehrt ist, verbringe ich oft noch eine halbe Stunde mit Arbeiten, die besondere Konzentration verlangen. Dann gehtʼs bei Schönwetter zurück mit dem Fahrrad, hin und wieder auch zu einem Treffen in eines der vielen Wiener Kaffeehäuser.

Was kann Dich bei der Arbeit so richtig auf die Palme bringen?

Selbstüberschätzung, Rücksichtslosigkeit und Ungerechtigkeit.

Welches Gerät müsste man einmal erfinden?

Ein Endoskop, das ein akustisches Signal abgibt, wenn sich im Umfeld von 5 cm neoplastisches Gewebe befindet. Und eine elastische Leine für alle EndoskopikerInnen, damit sie in Sekundenschnelle herangezogen werden können.

Mit wem würdest Du gerne einen Tag den Arbeitsplatz tauschen?

Mit einer Hausfrau mit vier Kindern im Alter von 3 – 16 Jahren: Ich denke, dass ich mich auf meinen nächsten Arbeitstag wieder viel mehr freuen würde.
Mit einer Galeristin für moderne Kunst: Wir wissen wenig über die Alltagskämpfe, aber auch die schönen Momente, die in anderen Berufen ablaufen.
Mit einer Schauspielerin: um spielerisch in eine andere Persönlichkeit schlüpfen zu können.

Was war der mutigste Moment in Deinem Leben?

Ich bin prinzipiell ein sehr feiger Mensch und den einen mutigen Moment gibt es, denke ich, nicht. Einer mutigen Aktion, die im Moment ausgeführt wird, liegen vorweg Genetik, Erziehung, Lebenseinstellung, Erfahrung, Tagesverfassung u. v. m. zugrunde.

Mit welcher Person der Weltgeschichte würdest Du gerne einen Kaffee trinken gehen?

Mit einem Mann, der es schaffte sich voll für seine Überzeugung einzusetzen und ganz ohne Gewalt Widerstand zu leisten, Mohandras Karamchand (Mahadma) Gandhi. Es gibt sicherlich zahlreiche Menschen, die Ähnliches getan haben, deren Taten aber niemand kennt. Das klingt zwar pathetisch, aber Gandhi steht für all diese Menschen, die für mich auch Mut verkörpern. Gandhis ethische Werte liegen in der Grundhaltung von Gewaltlosigkeit, Selbstkontrolle (auch politischer Natur) und Selbstbestimmung.

Welche Gabe würdest Du gerne besitzen?

Klingt schon wieder pathetisch – die Welternährung und den Weltfrieden sichern können.

Welchen Wunsch möchtest Du Dir in Zukunft erfüllen?

Über eine begrenzte Zeit etwas ganz anderes intensiv betreiben, zum Beispiel Singen oder Tanzen.

Die Fragen stellte Ute Pfeifer.

Zur Person

Gerlinde Weilguny arbeitet seit 1997 in der Endoskopie der Medizinuniversität Wien, seit 2002 in leitender Funktion. Die Gründung des Österreichischen Verbands für Endoskopiepflegepersonal IVEPA (1993) geht auf ihre Initiative zurück, sie war dessen erste Vorsitzende. Nach wie vor ist sie im IVEPA-Vorstand für internationale Kontakte zuständig und organisiere gerne ab und zu eine der österreichweiten Veranstaltungen.

In Europa vertritt sie Österreich seit vielen Jahren in einer Arbeitsgruppe der ESGENA (European Society of Gastroenterological Nurses and Associates) und war von 2002 – 2005 im Vorstand dieser Europäischen Vereinigung aktiv. Gemeinsam mit der Direktorin der Akademie SOPHOS initiierte sie in Wien eine Weiterbildung für Endoskopieassistenzpersonal (berufsbegleitend, 160 Stunden Theorie), im September 2016 haben sie den 10. Weiterbildungskurs begonnen.